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Der lange Weg zum Tilicho Lake in Nepal

Hier geht´s zu den Fotos der Tour

Hier ein Paar Eckdaten, die auf den Tourenbericht neugierig machen sollen:

vom 29.09.-01.11.2000
280 km Wegstrecke
4Wochen Zelttrekking ohne Rasttag
durchlaufen aller Vegetationsstufen vom Subtropischen Regenwald über Wüste bis hin zur Gletscherregion
18 000 Höhenmeter im Aufstieg
geringste Höhe 500 m höchste erreichte Höhe ca. 5900 m
4 hohe Pässe um die 5000 m
höchste Temperatur +35° C niedrigste -15° C

Wo die Seele der Götter türkis ist

Von Ralf Brehl

Es gibt Zeitspannen, die man mit einer Anzahl von Minuten beziffern könnte, wo man in seiner Erkenntnis viel mehr erlebt, als in ganzen Jahren. -Dostojewski-

Es ist Herbst im Himalaya und damit die beste Zeit für ein ungewöhnliches Unternehmen. Fünf Bergsteiger machen sich auf den langen Weg zu einer 30-tägigen Tour in der Annapurna-Region in Nepal. Ziel ist nicht das übliche schnelle Trekking oder die wochenlange „Belagerung“ eines hohen Berges. Ziel ist die behutsame und respektvolle Näherung an eine ursprüngliche, wilde Landschaft am höchstgelegenen, größten See unserer Erde. Weit von jeder menschlichen Siedlung entfernt, soll von einem Basislager auf fast 5000 Metern, eine Woche lang, der geheimnisvolle Tilicho Lake und seine nähere Umgebung erkundet werden.

Traum-Fantasie-Idee. Der lange Weg zur Realisierung beginnt mit den Erfahrungen während einer kommerziellen Trekking-Tour. Schnellen Schrittes durch ein Land und eine Landschaft, deren Menschen, ihre Kultur und die Natur vertiefende Aufmerk-samkeit verdienen. Von Highlight zu Highlight – gebuchtes Abhaken von Gipfeln. Nein! Wir wollen die Langsamkeit für uns wieder entdecken. Eigenverantwortlich für uns, unsere Zeit und unsere Erlebnisse werden, intensiv eintauchen in die uns umgebende Natur – sie und uns mit Muße erfahren. Aber wie? Wieviele Teilnehmer, wer, wohin, wie lange? Reicht das Können, die Erfahrungen in den Alpen und die paar kleinen Einblicke ins Himalaya, um die Fantasie Wirklichkeit werden zu lassen, selbst zu organisieren und dann auch durchzustehen? Halten wir mehrere Wochen in großen Höhen aus?

Und dann der Entschluß – wir wagen es! Nicht vielleicht, nicht mal sehen oder man müßte mal. Die Sehnsucht ist stärker als alle Zweifel. Was folgt sind Monate der Bürokratie, Telefonate, eben Organisationskrempel, denn für diese anspruchsvolle Tour brauchen wir Trägerhilfe und diverse Genehmigungen. Oft genug drohen scheinbar unüberwindbare Hürden das Unternehmen zum Scheitern zu bringen. Ein wilder, chaotischer Traum, zusammengesetzt aus wirren Gedankenfetzen, entwickelt sich dennoch langsam Stück für Stück zu einem Bild. Zu einer Geschichte – zu unserer eigenen Geschichte …

Ohne hübsche Krankenschwester

Schnell stehen drei Teilnehmer fest, aber drei sind zu wenig. Aufwand, Anspruch und Charakter der Tour veranlassen uns zu Anzeigen in einschlägigen Zeitschriften. Die Hürden sind abschreckend hoch: Extrem-Trekking, fünf Wochen, Höhenerfahrung, das liebe Geld…

Kuriose Anrufe und Kontakte folgen:

„Mein Bergführer ist ausgefallen, deshalb suche ich neuen Anschluß.“

„Ins Himalaya wollte ich immer schon mal, der fehlt mir noch in meiner Sammlung…“

„Ich kenne da eine interessierte Krankenschwester, zwar ohne Berg-erfahrung, aber hübsch ist sie…“

Letztendlich sind wir dann fünf männliche Teilnehmer -zwischen 34 und 61 Jahre alt-, die nach Nepal ins Herz des Himalaya fliegen und sich auf den langen Marsch zu dem geheimnisvollen, einsamen See begeben wollen…

„30 Tage Trekking – in der Höhe! Seid ihr wahnsinnig? Das ist aus medizinischer Sicht in dieser abgeschiedenene Gegend nicht zu verantworten – und wenn, dann nur, wenn ihr …“

Es folgt von unserem beratenden Mediziner eine vierseitige Liste mit „unbedingt notwendiger“ medizinischer Ausrüstung. Deren Umfang soll uns entweder abschrecken oder in die Lage versetzen, bei allen nur denkbaren Katastrophenfällen

dieser Welt, als mobile ärztliche Eingreiftruppe sofort eingesetzt zu werden. Eine harte, anstrengende Diskussion ergibt den Inhalt eines kleinen Alukoffers und die Hoffnung, uns nicht für das Falsche entschieden zu haben…

Unserem „Medizinmann“ und den milde gestimmten Göttern haben wir es zu verdanken, dass der Koffer mit fast ungeschmälertem Inhalt nach der Tour als Spende in Nepal bleiben konnte.

Wintersport im Himalaya?

„Sie wollen fünf Wochen Urlaub am

Stück? Dann können Sie gleich kündigen!“

„Himalaya? Ist das nicht gefährlich? Kommen Sie bloß gesund wieder, ich kann mir Ihren Ausfall nicht leisten – und wie lasse ich Sie vertreten …?“

Wie heißt ein altes Sprichwort: „Vor dem Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt.“ Überzeugungsarbeit bei unseren Chefs -Werbung in eigener Sache- sind ein hartes mentales Training zur Vorbereitung unserer Tour. Und erst die Reaktion unserer Familien…

Ahnungslose Stimmen aus unserem Umfeld:

„Wie heißt denn euer Hotel?.“

„Kann man da auch duschen?“

„Meld´ dich doch mal telefonisch von unterwegs …!“

„Vergiß nicht dein Handy!“

„Fahrt ihr Jeep oder Bus?“

„Eine Daunenjacke und Handschuhe

nimmst du mit – ach´ du fährst zum Wintersport.“

Ich versuche eine Richtigstellung:

„Kein Hotel, keine Dusche, kein Telefon, kein Handy, alles zu Fuß und nachts auch schon mal minus 20 C!“

Fassungslos folgt die Erwiderung:

„Und das soll Urlaub sein oder kriegst du dafür was bezahlt?“

Als Luxus eine dritte Unterhose

Mitten in den Vorbereitungen ereilt uns ein Anruf aus Kathmandu. Die Trekkingagentur, die wir mit der Organisation vor Ort beauftragt haben, übermittelt uns den Verdacht der nepalesischen Behörden, dass

wir illegale Gipfelbesteigungen während

unseres einwöchigen Aufenthaltes am Tilicho Lake planen, um die hohen Genehmigungsgebühren zu sparen. Was sollten Europäer denn sonst so lange dort wollen, an einem solchen, fernen Ort?! Schon wieder Überzeugungsarbeit. Nein – nicht alle Europäer rennen, hasten, eilen immer und überall und erst recht nicht immer durch Landschaften oder auf Gipfel. Nein wirklich, wir wollen Eindrücke sammeln, fotografieren, und einfach nur mit viel Zeit genießen… Keine illegalen Geheimnisse, es sei denn, man benötigt für die Suche nach dem Yeti eine Genehmigung…

„Mensch Ralf, ich hab´ hier 40 Kilo und weiß nicht mehr, was ich ´rausnehmen soll, es ist alles ja so waaaahnsinnig wichtig.“ Manfreds Stimme läßt mich seinen Seelenzustand ahnen. 20 Kilo im Seesack ist unverrückbar die zwingende Vorgabe der Fluggesellschaft. „Unmöglich!!!“

Vier Wochen reine Trekking-Tour stehen uns bevor, davon fast zwei Wochen in extremer Höhe. Wie reduziert man seine eigene Existenzsicherung auf vergleichsweise wenige Kilo? Welchen Luxus gönne ich mir? Was ist überhaupt Luxus? Ein Schokoriegel, ein Buch, ein Spiegel, ein Kamm, Bonbons oder gar eine dritte Unterhose …?

Jeder, der uns auf dem Flughafen erlebt, kann die Lösung unseres Gepäckproblems mit eigenen Augen sehen. Um teures Übergepäck zu vermeiden, wanken dick eingepackte Daunenriesen mit schweren Bergstiefeln, furchterregend wie verkleidete Yetis, mit vollen Jackentaschen durch die Abfertigungshallen und lassen sich auf die engen Sitze der Maschine plumpsen…

Formel 1-Talent als Fahrer

Es geht endlich los. Insgesamt fünf Wochen sind den Zwängen abgerungen und vielfältige Widerstände wurden beseitigt. Wir sind aufgeregt, neugierig und bereit zum Eintauchen und Aufspüren eigener Empfindungen, zum Ausleben der im Alltag unseres zivilisierten Lebens gefangenen Sehnsucht nach einem Blick über den Horizont…

In Kathmandu dann noch einmal mahnende Warnungen der Behörden und offen geäußertes Mißtrauen und Unverständnis für unser Unternehmen… „Nein, wirklich, ehrlich ….sie können uns glauben – kein Siebentausender!“

Die Überredungskünste unserer nepalesischen Freunde verhelfen uns zur letzten noch fehlenden Genehmigung zum Betreten des ansonsten verbotenen Grenzgebietes zu China.

Organisieren, packen, prüfen. Nach zwei hektischen Tagen folgt eine sechsstündige Busfahrt über kurvige Bergstraßen mit einem bisher offensichtlich verkannten Formel 1-Talent als Fahrer und etlichen Stoßgebeten von uns. Am Ende der Straße liegt der kleine Ort Gorkha. Ab hier geht es vier Wochen lang nur noch zu Fuß weiter. Endlich Abmarsch und schon verlieren wir uns in den unendlichen Weiten des HimalayaimalayaH. Tag für Tag des zweiwöchigen Anmarsches zum See entfernen wir uns körperlich und mental immer mehr von dem, was sonst unser Leben bestimmt und diktiert. Noch hängen die schweren Wolken des Nachmonsuns in den Bergen. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto mehr verschwindet die Feuchtigkeit und das Wetter öffnet alle Fenster zum Schauen. Wir umrunden den Achttausender Manaslu und dürfen uns mit unserer Sondergenehmigung bis dicht an die nepalesisch/tibetische Grenze wagen. Ein weiterer Achttausender, die Annapurna, wird sichtbar. Unsere Anspannung wächst, liegt doch am Fuße dieses mächtigen Berges „unser“ Ziel, der Tilicho Lake.

Die lachenden Augen des Lamas

Unser Ruf eilt uns voraus. In dem letzten bewohnten Dorf vor dem See, in Kangshar, bittet der örtliche Lama (Priester) zur Audienz. Diese Menschen will er sich einmal näher anschauen, die sich derart unüblich, weil ruhig und mit Muße, den Göttern nähern wollen. Wir werden freundlich und neugierig empfangen, bekommen Buttertee und tauchen ein in die mystische Welt des tibetischen Buddhismus. Der geheimnisvolle Zauber, der diesen Ort umgibt, nimmt uns gefangen. Die Philosopie unserer Tour und der Respekt, den wir ihm und seiner Weltanschauung entgegenbringen, beeindruckt letztendlich den alten, runzligen Lama mit seinen lachenden Augen. Nach einigen Übersetzungsmühen bekommen wir mit, dass er unser Ziel, den Tilicho Lake, geheimnisvoll murmelnd, als die türkisfarbene Seele der Götter bezeichnet. Bei uns steigt weiter die Spannung. Butterlampen werden für unsere glückliche und gesunde Wiederkehr entzündet und seine guten Wünsche für uns werden hoffentlich bis zu den Göttern dringen …

Nach weiteren akklimatisationsbedingt gemächlichen Tagen des Anmarsches erreichen wir endlich den Tilicho Lake und errichten in ca. 4950 Metern unser Basislager direkt am See. Uns stockt der Atem nicht nur wegen der dünnen Höhenluft. Jetzt verstehen wir den Lama. Türkisfarben glitzernd wie ein Edelstein liegt eine riesige Wasserfläche vor uns. Eingerahmt von einem Festsaal des Himalaya. Sieben- und Achttausender, klingende Namen wie Annapurna, Gangapurna, Nilgiri, Tilicho Peak und unzählige namenlose Sechstausender beherrschen das Bild. Eiswände und Gletscher in Dimensionen, wie sie Schrift und Bild nicht wiedergeben können. Unser „Zuhause“ für eine Woche.

Höchster Konzertsaal der Welt

Die Bläser setzen allmählich und vorsichtig ein, schwellen an und werden unterstützend getragen von dem breiten Teppich der Streicher. Fein und zart schleicht sich eine Klarinette ins Ohr. Meine Augen lassen sich verführen, dem feenhaften, tänzerischen Spiel von Schleierwölkchen zu folgen, die wie ein Hauch des Windes den eisflankengepanzerten Gipfelaufbau eines Felsgiganten umschmeicheln.

Beethovens Neunte nimmt derweil ihren dramatischen Lauf …

Auf einem ebenen, tischgroßen Granitblock in der Sonne liegend, befinde ich mich im atemberaubendsten Konzertsaal der Welt – nicht nur, weil der Höhenmesser 5364 Meter anzeigt. Am See unter mir erkenne ich unser Basislager mit den bunten flatternden Gebetsfahnen, die wir vorsichtshalber zu Ehren der Götter an den Zelten befestigt haben. In der Ferne erhebt sich mächtig und gewaltig die eisgepanzerte Pyramide der fast 7500 Meter hohen Gangapurna. Mir gegenüber steht die unendlich lang erscheinende so genannte „Große Barriere“, die den See nach Westen begrenzt. Diese kilometerlange Mauer aus Fels, Eis und Schnee entsendet täglich Staublawinen, die wie ein ICE mit ohrenbetäubendem Lärm und beeindruckenden Druckwellen der Schwerkraft folgend auf den See zurasen.

In meinen Ohren stecken die Hörerwinzlinge eines Mini-Disc-Players. Meinem puritanischen Hang folgend, lehnte ich die Frage eines Freundes vor unserer Tour energisch ab, ob ich dieses Teil mitnehmen wolle. Schließlich gab ich aber der Versuchung nach und willigte zögernd ein.

Paßt Entrückung, innere Einkehr und High-

Tech zusammen ?

Die letzten Töne der „Ode an die Freude“ sind verklungen und hallen von nun an mit diesem Eindruck lebenslang nach.

Das ist für mich Antwort genug …

Überhebliche Menschenzwerge

Einen Grenzgang der besonderen Art erleben Volker und ich. Zu Hause studieren wir Bilder und Karten, immer und immer wieder. Ein entferntes Gletscherbecken in einem Seitental hat es uns angetan. Eine Tagestour soll uns zu Entdeckern des Unbekannten werden lassen. Nach einem halben Tagesmarsch stehen wir an unserer Grenze: Ein reißender Bach! Zu reißend, zu breit, unüberwindbar! Wer hätte das am grünen Tisch gedacht? Hektisch renne ich hin und her, es muss doch gehen. Es geht nicht – wir gehen nicht. Zwei kleine Menschenzwerge sitzen höhenbedingt schwer atmend verloren mitten im riesigen Himalaya und haben Zeit, über ihre Überheblichkeit und die grenzgebende Natur nachzudenken.

Ich bin Optimist: Eine Erfahrung mehr und schön, dass noch Träume bleiben …

Die türkisfarbene Seele der Götter

Nach einer empfindlich kalten Nacht mit über minus 20 Grad habe ich vor Sonnenaufgang meinen Rucksack geschnappt und bin allein losgezogen. Den Ruhe ausstrahlenden See entlangwandernd erkunde ich die Landschaft, entdecke für mich diese neue Welt, lasse mich treiben, weglos, zeitlos…

Nun stehe ich auf einem knapp 5900 Meter hohen Schuttberg auf der anderen Seite des Sees. Das Alleinsein schärft die Sinne und konzentriert den Kontakt zum Umfeld. Ich fühle mich eins mit dem Boden, dem Wasser, der Luft und den Bergen, auf deren Gipfeln die Götter wohnen sollen. Spätestens jetzt spüre ich wirklich, was der Lama meinte und die Auflösung des Geheimnisses des Tilicho Lakes ist fühlbar. Mein Blick schweift über den großen See hinüber zu einem mächtigen Gletscher. Scheinbar aus dem Himmel kommend wälzt sich dieser eine Tausend-Meter-Wand hinunter. Am See angekommen, „zerbröselt“ er in hausgroße Blöcke, um dann mit der „Seele der Götter“ zu verschmelzen. Türkisfarben strahlend scheint sie tatsächlich inmitten dieser archaischen Landschaft zu liegen.

Dies ist der für mich intensivste Moment unserer Tour und ich kann mich kaum losreißen!

In der Dämmerung bin ich wieder „zu Hause“ im Basislager bei meinen Freunden.

Sehnsucht nach neuen Zielen

Die Götter waren uns wohlgesonnen. Wir sind alle gesund, wohlbehalten und als Freunde zurückgekehrt. Unser Ziel, uns behutsam und mit Muße in einer der wildesten Landschaften unserer Erde zu bewegen, haben wir erreicht und sind um unschätzbare Erfahrungen und Erlebnisse reicher geworden. Den weiten Weg von einer Idee bis zur Realisierung erfolgreich gegangen zu sein, hat Mut gemacht und unsere Sehnsucht ist längst schon wieder geweckt. Das nächste Ziel steht fest und in ein paar Monaten machen wir uns wieder auf einen langen Weg …

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Grenzerfahrungen im Tian Shan Gebirge

Wo hinter grünen Hügeln die Eiszeit verborgen liegt

Text Ralf Brehl

Im Chinesischen wird das Tian Shan Gebirge „Himmelsgebirge“ genannt. Es ist doppelt so lang wie die Alpen und noch weitgehend unberührt. Hier findet man unzählige jungfräuliche und namenlose Eis- und Schneegipfel, viele davon mit einer Höhe von über 6000 Metern. Mitten in Zentralasien gelegen also eine spannende Herausforderung für entdeckungsfreudige Alpinisten …

Tian Shan, das Himmelsgebirge. Der Name wurde so locker in unsere vermeintlich weltgewandte Runde von befreundeten Bergsteigern geworfen, wie ein harmloses Steinchen ins Wasser. Und es folgten erste kleine Wellen: Tian Shan – ein schöner Klang für ein neues Ziel. Aber wo genau liegt dieses für den normalen Mitteleuropäer unbekannte Gebirge? Ein Blick in den Atlas ergab: In Zentralasien, ungefähr dort, wo sich auch Kirgisistan befindet. Oder heißt es Kirgistan oder Kirgisien?

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Tour de Barnim

Oder Pleiten Pech und Pannen – Was alles schief gehen kann, auch wenn man sich gut vorbereitet hat.

 

Die GPS Daten zur Tour findet ihr im Downloadcenter.

 

Eine Woche frei!

 

Und das auch noch bei gutem Wetter.Klar das ich da nicht zu Hause hocken bleibe. Gesagt, getan. Da muss ich doch was unternehmen. Am besten eine Radtour. Aber welches ist die richtige Strecke? Maximal drei bis vier Tage unterwegs wollte ich sein. Und landschaftlich schön sollte die Route auch sein. Das ganze bitte schön auch noch auf guten Radwegen und Campingplätze, in Tagesetappenentfernung. Ideal wäre es auch, wenn ich den Kreis vor meiner Haustür beginnen und auch schließen könnte. Und um meiner Technikverspieltheit und Bequemlichkeit gerecht zu werden, wollte ich auch noch mein GPS Gerät nutzen.Das waren doch recht präzise, und somit schwer zu erfüllende Wünsche. Also durchforste ich erst mal das Internet. Auf www.das-rad-ruft.de wider Erwarten nichts so recht brauchbares drin. Hier hatte ich schon oft nette Anregungen und GPS Daten für Radtouren gefunden. Also, weiter zu www.barnimradler.de . Da finde ich einige interessante Routen. Der Barnimer Teil des Berlin-Usedom Radwegs sieht gut aus. Geht aber nur in Richtung Norden. Die Eiszeittour verspricht tolle landschaftliche Erlebnisse. Ist aber zu kurz. Der Oder-Havel Radweg. Sehr nett aber…. Und die Tour de Brandenburg ist einfach zu lang für meinen Zeitplan. Also setze ich mich an den PC und bastele mir aus Teilstücken der Radwege meine eigene Tour de Barnim zusammen. Ca. 220 km und locker in drei Tagen zu fahren. Start und Ziel vor meiner Haustür. Oder für Nachahmer am S Bahnhof Bernau. Dann aber etwas kürzer.OK. Also, nichtswie los. Sachen gepackt und auch gleich die neuen Lowrider angebaut. Ich habe lieber das Hauptgewicht am Vorderrad. So „liegt“ das Rad besser auf der Strasse. Immer wieder überraschend. Egal ob man drei Tage oder drei Wochen unterwegs ist. Das Gepäck ist das gleiche. Obwohl ich absolut keinen Schnickschnack dabei habe sind die Packtaschen voll. Na ja, zum Camping braucht man halt das ganze Gerödel.Endlich. Es geht los. Bei Traumhaftem Sonnenschein und bester Laune radle ich ab. Mit der Hilfe des GPS finde ich auch „locker“ den Weg. Natürlich würde es auch allein mit der Karte gehen. Aber, na ja. Erst durch Blankenburg und dann auf dem Pankeweg in Richtung Buch. Netter Radweg entlang der Panke. Teilweise ein wenig „Naturbelassen“ also nichts für Rennradler. Das bekommt mein Rad auch zu spüren. Die Streben des Vorderradschutzbleches machen sich selbständig. Die Plasteschellen sind gebrochen. Irgendwie bekomme ich das ganze so gebogen, dass es nicht mehr so oft schleift. Weiter über Zepernick. Kur vor dem Bahnhof überhole ich einen Inlineskater der eine Art Trolly schiebt und offensichtlich noch eine längere Strecke fahren will. Solch einen „Skatewanderer“ habe ich schon letztes Jahr auf dem Elberadweg getroffen. Voller Neid denke ich mir das ich das unbedingt auch mal machen sollte. In Bernau mache ich dann Rast an einem Restaurant auf dem Marktplatz. Jetzt ein kühles Radler und ne leckere Soljanka. Das mit dem Radler geht schon klar. Aber die Frage nach der Soljanka beantwortet der Kellner leicht irritiert mit „Das ist ein Spanisches Restaurant.“ Ich entschuldige mich für meine Impertinenz mit dem Hinweis ich hätte mir meine vom Salz des Schweißes befleckte Brille noch nicht geputzt. Und so nehme ich zum deutschen Radler dann spanisches Allioli, Oliven und Brot. Gute Wahl! Die Faszination der einfachen Dinge. Mein Schutzblech befestige ich auch gleich noch. Also, weiter. Und kurz hinter Lobetal erwischt es mich dann mitten im Wald. Ein Platten! Na toll. Und jede Menge Mücken die es alle auf mich abgesehen haben. Hier kann ich den Schlauch nicht flicken. Da bleibt ja nichts mehr übrig von mir. Und während ich da frustriert stehe und die Bescherung ansehe, kommt doch der Skater mit seinem Gefährt auf mich zu. Jetzt kann ich ihn von vorne sehen und denke mich trifft der Schlag. Das ist ja Rudi! Doktor M. Einer unserer Ärzte auf der ITS wo ich arbeite. Und sein „Gefährt“ entpuppt sich als Kinderwagen. In dem sitzt sein jüngster Sohn und genießt die Fahrt sichtlich. Rudi ist ebenso überrascht wie ich. Und nach einer netten Begrüßung verrät er mir, dass ich ihm in Zepernick auch aufgefallen war. Ich hatte ihn mit meiner professionellen Ausrüstung beeindruckt. Na ja gut ausgerüstet bin ich ja. Aber habe trotzdem nen Plattfuß. Wir verabreden uns am großen Wukensee bei Biesental zu treffen. Ich pumpe erst mal wieder etwas Luft auf und fahre aus dem Wald in offenes Gelände mit brennender Sonne aber ohne Mücken. Rudi kommt auch nach. Hier muss er erst mal die „Bereifung“ wechseln. Da der Asphalt zu Ende ist wird er ab jetzt joggen und so den Kinderwagen weiterschieben. Ich mache mich an die Reparatur des Schlauches. Das dauert auch gar nicht so lange. Aber obwohl ich extra darauf achte, schaffe ich es beim aufziehen de Reifens den Schlauch einzuklemmen und ein neues, noch größeres Loch zu machen. Also, noch mal von vorn. Gut, geübt habe ich ja. Also geht’s auch jetzt wieder schnell. Ich fahre weiter zum Wukensee. Schade. Rudi ist nicht da. Seine Frau sollte ihn ja hier abholen. Also suche ich mir einen Weg durch den Wald um auf „meine“ ursprüngliche Route zu kommen. Fataler Fehler! Abkürzungen dauern meistens länger. Der Waldweg entpuppt sich als nahezu unbefahrbare Sandpiste. Und so schiebe ich streckenweise das Rad. Und das bei der Hitze. Das Schutzblech hat sich auch wieder verselbständigt. Leicht entnervt bin ich kurz davor es abzureißen. Aber ich kann mich ja beherrschen und befestige das Teil wieder. Endlich wieder auf dem asphaltierten Radweg durch den Wald. Jetzt spinnt aber das GPS. Laut dem Ding befinde ich mich links vom eigentlichen Radweg auf einem parallel verlaufenden Waldweg. Obwohl ich es eigentlich besser weiß biege ich dann in einen Seitenweg ein um zum vermeintlich richtigen Weg zu kommen. Nur kurz danach hat sich das Gerät aber wieder gefangen und zeigt mir, ätsch, an das ich Jetzt! Falsch bin. War halt vorher nur schlechter Empfang und dadurch eine Abweichung. Also wieder zurück auf den Asphaltweg. Ich Trottel! Natürlich beobachtet von zwei nachfolgenden Damen die sich den hämischen Kommentar „Na verfahren“ nicht verkneifen können. Und das nicht trotz sondern wegen des GPS! Blindes Vertrauen in die Technik kann halt auch unangenehme Folgen haben. Aber abgesehen von dieser Eskapade. Führt mich das „Teil“ absolut sicher und zielstrebig. Und so erreiche ich, ohne weitere Zwischenfälle, den Campingplatz „Am Spring“ am Werbellinsee. Endlich eine Erfrischung. Das Wasser ist herrlich. Zelt aufbauen, kochen, Musik hören, lesen und diesen Bericht schreiben. Ein netter Campingabend also. Mal sehen was der morgige Tag noch an Überraschungen für mich bereithält.

Tour de Barnim Tag 2 oder Pleiten Pech und Pannen auf ein neues.

Meine Hoffnung auf eine ruhige Nacht im Zelt sollte sich als fataler Irrtum erweisen. Nach ausgiebigem lesen und Musik hören bettete ich mich also friedlich zur Ruhe. Nicht für lange. Nach einiger Zeit wurde ich von lautem rascheln und schnüffeln am Zelteingang geweckt. Ein Tier! Erste Reaktion : Angst! Ich bin haltkein Held. Aber die zweite Reaktion kam sehr schnell. In Form der Erkenntnis: Das kann kein großes Tier sein. Im Dämmerlicht der Campingplatzbeleuchtung konnte ich einen kleinen Schatten wahrnehmen. Also, mutig gegen die Zeltwand geklopft und ein paar, eher weniger nette, Worte hinterher. Siehe da, der Störenfried lies sich in die Flucht schlagen. Also, wieder hingelegt und versucht zu schlafen. Nicht so einfach. Denn immerhin ging mir das ganze noch durch den Kopf. Ich beschloss aber das Biest für einen Hund oder eine der Katzen des Campingplatzes zu halten. Nach einiger Zeit schaffte ich es aber doch wieder einzuschlafen. Nicht für lange! Wieder das rascheln und schnaufen am Zelteingang. Wieder vertrieb ich den Störenfried. Aber jetzt fiel mir auch ein, dass Katzen ja nicht schnüffeln. Also doch ein Hund!? An einen tollwütigen Fuchs wollte ich lieber gar nicht erst denken. Diesmal war ich schlauer. Ich nahm die Packtaschen mit meiner Verpflegung aus dem Vorzelt in den Innenraum. Das sollte helfen. Dachte ich. Weit gefehlt. Wieder einige Zeit später. Ich war gerade am einschlummern. Meldete sich der Störenfried wieder. Also wieder gegen die Zeltwand geschlagen und , diesmal deutlich wütender ein paar „nette“ Worte hinterher. Der lies sich aber schwer abwimmeln. Hatte sogar schon einen Teil des Kopfes im Vorzelt. Aber im Halbdunkel und ohne Brille konnte ich beim besten Willen nicht erkennen was für eine Bestie mich da heimsuchte. Nun hatte ich die Nase gestrichen voll! Beim nächsten Besuch sollte das Biest nicht mehr so glimpflich davon kommen. Ich machte das Innenzelt auf und bewaffnete mich mit einer Sandale. Das gibt eins auf die Nase. Zeig dich ruhig noch mal. Aber mein Peiniger musste meine Gedanken lesen können. Er lies sich nicht mehr blicken. Dafür wurde es jetzt schon langsam hell. Und so schlummerte ich im ersten Tageslicht mit einer Sandale in der Hand ein. Das muss wirklich ein toller Anblick gewesen sein. Aber was war das nun eigentlich für eine Bestie? Aufklärung brachte der nächste Tag. Als ich den Campingplatzwart beim Brötchenholen fragte ob so etwas schon öfter vorgekommen sei, lachte er nur lauthals. Waschbären. Eine richtige Plage seien sie. Jede Menge dieser ebenso possierlichen wie aufdringlichen Tierchen gebe es hier. Und sie fressen alles was sie kriegen. Schon lustig, wie sich meine Stimmung plötzlich besserte. Auch wenn sie mir die Nacht gründlich verdorben haben, so genießen diese Tiere doch eine Menge Sympathien bei mir. Obwohl der Sympathiebonus jetzt doch um einiges geschrumpft ist.Entsprechend träge war dann auch mein Start in den neuen Tag. Heut wollte ich, eigentlich, nur etwas über 40 km bis zum Parsteiner See fahren. Aber auch die Weiterfahrt bis Stecherschleuse, dann insgesamt 80 km reizte mich. Dann könnte ich Morgen bis nach Hause durchfahren und müsste nicht von Bernau aus die S Bahn nehmen. Erst um elf Uhr kam ich aus dem Knick und vom Campingplatz herunter. Zu Beginn war die Strecke noch hervorragend ausgebauter Asphaltweg bzw. Landstrasse. Aber im Verlauf der Tour traf ich immer wieder auf „naturbelassene“ Wald und Feldwege sowie mörderisches Holperpflaster. Auch die Barnimer Landschaft mit ihren vielen Hügeln verlangte mehr Krafteinsatz als die gestrige Tour. Trotzdem kam ich gut voran. Eine Besichtigungsrunde drehte ich noch um das Kloster Chorin bevor ich mich auf den Weiterweg zum Ökodorf Brodowin machte. Der Weg dorthin sollte sich auch als echter „Ökoradweg“ herausstellen. Auf zwar wunderschönen aber versandeten Waldwegen ging es dahin. Wieder ein echter Kampf. Und gefährlich. Mit meinem schwer beladenden Vehikel musste ich mir immer wieder eine brauchbare Spurrinne suchen. Und das sollte mir zum Verhängnis werden. Kurz vor der Ortseinfahrt zu Weißensee erwischte mich ein, im Randgestrüpp verborgener Stein. Nicht direkt. Nein heimtückisch hielt er meine rechte Packtasche fest und brachte mich so schlagartig zum stehen. Dank der Trägheit der Masse wollte mein Körper aber weiter. Und so stieg ich mit viel Schwung formvollendet nach schräg vorn über den Lenker ab. Dank eines guten Sturztrainings (als bekennender Grobmotoriker hatte ich das schon einige male nötig) konnte ich mich aber gut abfangen und trug nur einige kleine Schrammen am Bein davon. Nur diePacktasche hatte es abgerissen und den Frontgepäckträger böse verbogen. Aber immerhin nicht gebrochen! Die Halterungen der Packtasche hatte ich schnell wieder angebaut. Der Gepäckträger war schon schwerer zu richten. Irgendwie schaffte ich es aber ihn zurechtzubiegen. Also weiter. Durch eine herrliche aber wieder anstrengend hügelige Landschaft. Durch Brodowin und Pehlitz in Richtung Parsteiner See. Einer der schönsten Abschnitte des Weges. Abwechselnd auf Asphalt und Holperpflaster. Um halb zwei war ich am Camping Parsteiner See. Zu früh um aufzuhören. Nach kurzem überlegen und einer Stärkung mit Soljanka und Radler machte ich mich auf den Weiterweg. Gute Entscheidung! Schon bald kam ich an die Oder und konnte dort dem bestens ausgebauten Oder-Neiße Radweg zwischen Hohensaaten-Friedrichstaler Wasserstrasse und Oder folgen. Bei Hohensaaten bog ich dann aber wieder nach Westen auf den Oder-Havel Radweg ein. Entlang der Alten Oder, durch Oderberg und Liepe ging es nun weiter. Inzwischen war ich schon etwas mitgenommen und radelte in einer Art Trance vor mich hin. Während ich Gestern zu sehr auf das GPS gehört hatte, ignorierte ich es nun. Erst im Ortskern von Liepe stellte ich fest das ich etwas ab vom Schuss war. Parallel zum eigentlichen Weg. Aber eben nicht auf diesem. Na ja das GPS wird mir schon zurück helfen. Aber alles Schlechte hat auch sein Gutes. Und so machte ich aus der Not eine Tugend. Ich gönnte mir in der Eisdiele an der ich sonst nicht vorbeigekommen wäre, einen Bananasplit. Den hatte ich mir aber auch verdient. Von hier waren es dann auch nur noch neun Kilometer bis zum Camping Triangel Tour in Stecherschleuse. Unter dem Schiffshebewerk Niederfinow hindurch ging es dann weiter. Der Campingplatz in Stecherschleuse. Eine absolute Überraschung! Auf einer idyllischen Wiese am Finowkanal gelegen. Klein und familiär. Eben gemütlich. Kanu- und Fahrradverleih für Aktivurlauber sowie Übernachtung im Indianertippi für die kleinen Gäste gibt’s hier.Meine Empfehlung!Trotz der um 20 km längeren und anstrengenderen Strecke als Gestern war ich doch bei weitem nicht so „knülle“ wie am Tag zuvor. Das Bier und das Abendessen, klassisches Campermenu: Nudeln in Tomatensoße hatte ich mir verdient. Und lies es mir schmecken. Vergessen habe ich, zu fragen ob es hier auch ein Waschbärenproblem gibt. Na schauen wir mal. Ich werde es noch erfahren.

Tour de Barnim Tag 3

Diesmal hatte ich eine herrlich ruhige Nacht und wurde erst Morgens durch die Wärme der Sonne geweckt. Apropos Sonne. Hatte ich geschrieben, dass ich gut vorbereitet sei. Nun das stimmt nicht ganz. Ich habe die Sonnencreme vergessen. Ich bin halt nicht mehr gewöhnt bei gutem Wetter unterwegs zu sein. Meine Unterarme haben diese Nachlässigkeit Gestern deutlich zu spüren bekommen. Aber für heute gaben mir die Besitzer des Zeltplatzes eine Ration. Viel war allerdings nicht mehr zu retten. Und der heutige Tag mit prallem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel war zwar eine wahre Freude aber Gift für meine gebrannte Haut.Gleich zu Beginn der Tour ging’s dann auch schon in die vollen. Nach der Ortsdurchfahrt von Niederfinow kommt dann ein langer Anstieg nach Hohenfinow wo ich den Kulminationspunkt der Tour erreichte 104 m Höhe. Obwohl es ab hier eigentlich nur noch nach unten gehen konnte, musste ich im Verlauf der weiteren Tour noch mehr Steigungen als gestern bewältigen. Ja, radeln im hügeligen Barnim ist auch was für die Kondition. Mal abgesehen von den Strapazen durch die Hitze (ich bin eindeutig kein Mensch für solche Temperaturen und liebe den Winter und die Kälte) ging es aber heute zunächst ohne Zwischenfälle voran. Und so gönnte ich mir noch in Zepernick ein gutes mexikanisches Mittagessen und das obligatorische Hefeweizen. Bis hierher hatte ich ja größtenteils auch noch gute Landstrassen und Asphaltwege gehabt. Aber nun begann der Pankeweg. Bei diesem bekommt die Bezeichnung „Naturbelassen“ gleich eine völlig neue Bedeutung. Landschaftlich sehr schön aber mit vollbepacktem Rad nur eingeschränkt befahrbar führt er von Zepernick bis in den Wedding hinein immer an der Panke entlang. Kurz vor Karow geht es dann auf besonders engem Pfad zwischen Panke und Wald entlang. Beim überfahren einer Wurzel passierte es dann. Der Gestern schon in Mitleidenschaft gezogene Frontgepäckträger brach nun doch. Und wickelt sich auf unglaublich komplizierte Weise in die Vorderradspeichen. Ebenso wie gestern hatte das ganze natürlich wieder meinen sofortigen und sehr schwungvollen Abstieg nach schräg vorn über den Lenker zur Folge. Glücklicherweise flog ich nach links in den Wald. Sonst hätte ich ein unfreiwilliges Bad in der alles andere als gut riechenden Panke genommen. So. Und nun? Ab das Teil! Also wurde der gesamte Gepäckträger abgebaut. Und da das Schutzblech nun auch noch den Rest bekommen hatte wurde dieses auch gleich noch radikal entfernt. Nun noch die Halterungen der Packtaschen umbauen und neu einstellen. Und schon konnte es mit repariertem aber stark hecklastigem Rad weitergehen. Ich mag es nicht wenn das Vehikel hinten so schwankt. Das sollte es aber noch nicht gewesen sein! Nur kurz bevor ich in Blankenburg den Pankeweg verlassen wollte erwischte ich dann noch ein Schlagloch. Das gefiel der linken Packtasche offensichtlich gar nicht und sie machte sich selbständig und auf und davon die Uferböschung hinab. Toll! Jetzt schwimmt das Teil in der Panke und mir bleibt nichts anderes übrig als in die modrige Brühe zu steigen. Lange zögern half hier nichts denn die Tasche ist nur Wasserabweisend und nicht wasserdicht. Also stieg ich meiner Tasche hinterher und holte mir nasse und übelriechende Schuhe und Strümpfe. Aber immerhin alles gerettet. Nachdem ich die Tasche erneut befestigt hatte, konnte ich nun endlich ohne weitere Zwischenfälle meinen Weg bis nach Hause fortsetzen. Hier konnte ich dann erst mal meine verbrannten Arme verarzten.Nun bemerkt der geneigte Leser diese Aneinanderreihung von Un- und Missgeschicken innerhalb von nur drei Tagen. Als vernünftig denkender Mensch wird sich und mir dieser nun sagen wollen ich solle das mit dem Radwandern doch lieber sein lassen. Aber dieser mehr als unglückliche Verlauf ist doch die absolute Ausnahme. Im vergangenen Jahr habe ich in neun Tagen über Tausend km am Stück auf dem Elberadweg und dem Mecklenburger Seenradweg zurückgelegt. Und hatte außer einer Reifenpanne und zwei gebrochenen Speichen kaum Probleme.Und trotz oder vielleicht auch gerade wegen dieser Zwischenfälle hat es mir unglaublich viel Spaß gemacht. Ich kann das Radeln im Barnimer Land nur wärmstens weiterempfehlen.