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Garmin Oregon 300 – Ein Praxistest im Gebirge

GPS im GebirgeInzwischen war ich acht Tage auf Tour im Großvenedigergebiet (Osttirol) und konnte meine ersten Eindrücke durch Erfahrungen „im Feld“ ergänzen.Aufgrund dieses Outdoortests muss ich den Titel des vorherigen Posts wohl eher in „Garmin Oregon – Licht UND Schatten?“ ändern.

 

 

Auch wenn im Folgenden eine Menge Kritik zu lesen sein wird, will ich vorrausschicken, dass mir der Oregon nach wie vor sehr gut gefällt und ich weiter sehr gern mit dem Gerät arbeiten werde.

Zuerst einmal die wichtigste Frage. Wie lange halten die Batterien? Garmin verspricht hier „bis zu“ 16 Stunden. Das ist, genauso wie beim Colorado, völlig übertrieben. Schon aufgrund der Notwendigkeit, ständig die Hintergrundbeleuchtung zu nutzen sinkt die Batterielaufzeit drastisch. Mit guten Alkaline Batterien kommt das Gerät im üblichen Outdooreinsatz auf ca. 8-9 Stunden. Mit Lithium Batterien (Batterien, nicht Akkus!) schafft man dann die versprochenen 16h. NiMh Akkus habe ich noch nicht getestet da ich die in den Bergen eh nicht aufladen könnte. Somit bleibt für den Einsatz auf Rucksacktour nur die Wahl zwischen der Qual mit dem halben Rucksack voller Batterien oder der teuren Variante mit den Lithium Batterien (diese sind erfreulicherweise auch deutlich leichter als Alkaline Batterien und Akkus). Natürlich kann man das Gerät auch nur bei Bedarf einschalten um Strom zu sparen. Aber ich zeichne nunmal gern meine Touren auf und stelle die Daten dann für andere zum Download bereit.

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Magellan Triton 2000 – Ein Praxistest im Gebirge

Magellan Triton 2000

Kein „Bergfreund“. Aber ein GPS für „Männer“.

Als „eingefleischter“ aber nicht darauf fixierter Garmin User wollte ich schon immer einmal ein Gerät aus dem Hause Magellan testen.

Bisher sprach aber das eingeschränkte Angebot an Karten für Magellan Geräte und die Tatsache, dass ich sehr günstig die Garmin´s beziehen konnte dagegen.

Nun erhielt ich das Angebot, aus dem GPS Shop von Dantotec, das neueste Flaggschiff der Outdoorserie von Magellan, den Triton 2000, zu testen.

Nachdem ich mich im Web erst mal mit den Eckdaten und Features des Geräts vertraut gemacht hatte, konnte ich es kaum erwarten die Wunderwaffe in Händen zu halten. Und dann kam das Paket endlich. Also auspacken und…. Erster Eindruck: Wow, was für ein Bolide! Der Triton versucht nicht mit edlem Design und grazilem Äußeren zu punkten. Vielmehr scheint man bei Magellan auf die Vermittlung des Eindrucks von Robustheit und Stabilität zu setzen. Kriterien, die für ein Outdoorgps ja durchaus von hoher Wichtigkeit sind. Allerdings macht sich das auch in Größe und Gewicht bemerkbar. Der Triton bringt (mit Batterien), selbst gemessene, 240g auf die Waage. Der Oregon 300 hingegen nur 180g. Und auch das Format ist beachtlich. 15 x 7 x 3 cm groß ist der Triton. Demgegenüber der Oregon nur 11 x 6 x 3,5 cm. Die Displays: Triton 5,1 x 4,2 cm und der Oregon 4 x 6,5 cm.

Größenvergleich zwischen Garmin Oregon und Magellan Triton 2000
Größenvergleich zwischen Garmin Oregon und Magellan Triton 2000

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Garmin Oregon – Licht oder Schatten?

Nach der Vorankündigung des neuen Super- Hightech Outdoor GPS, war ich natürlich sehr gespannt auf die neue Wunderwaffe aus dem Hause Garmin. Seit Heute bin ich nun (noch und hoffentlich weiterhin) stolzer Besitzer eines Garmin Oregon 300. Nach meinen Erfahrungen mit dem Colorado 300 waren meine Erwartungen einerseits sehr hoch andererseits aber auch wieder recht gedämpft optimistisch. Schließlich konnte/kann der Colorado den großen Versprechungen nicht gerecht werden. Auch nach einer langen Phase des Betatestens durch den Endverbraucher hat hier Garmin zwar einige der Bugs behoben. Aber immer noch lässt der Colorado im Hinblick auf Zuverlässigkeit und Stabilität sehr zu wünschen übrig. Eine äußerst informative Seite zum Colorado ist z.B. hier zu finden: http://garmincolorado.wikispaces.com/ (nur in Englisch). Die Fehlerliste ist immer noch sehr lang. Und eine Batterielaufzeit von gerade mal 8-9h im Dauereinsatz (auf meiner Berlin-Brandenburg Fahrradtour getestet) ist für den Outdooreinsatz (ich denke hier vor allem an Rucksacktouren) alles andere als brauchbar. Nun aber zum Oregon 300. Eine (englischsprachige) Wiki Seite zum Oregon ist hier zu finden: http://garminoregon.wikispaces.com

  • Erster Eindruck: Verpackung und Styling des Gerätes vermitteln eine hohes Wertigkeitsgefühl. Macht schon was her.
  • Das GPS liegt sehr gut in der Hand.
  • Batteriedeckel deutlich leichter abnehmbar als beim Colorado. Bei diesem ist das ein richtiger Kraftakt.
  • Leider ist man wieder zu der ursprünglichen Lösung des Speicherkartenslots zurückgekehrt, so das man erst mal die Batterien herausnehmen muss um die Speicherkarte zu wechseln.
  • Die Bedienung des Touchscreens ist sehr einfach und dieser reagiert ausgezeichnet. Grosse Softtasten machen eine Bedienung auch mit meinen „Wurstfingern“ gut möglich. Ein Test mit Handschuhen steht noch aus.
  • Zumindest für Vorbesitzer eines Colorado ist die Menüführung fast schon intuitiv. Aber der Neuling wird hier sicher einiges zu suchen haben.
  • Das Display scheint etwas mehr Kontrast als der Colorado zu bieten. Zumindest war es auch bei Sonnenschein Heute recht gut ablesbar.
  • Die grafische Darstellung und die Kartendarstellung sind sehr schön gestaltet.
  • Endlich eine direkte Eingabe von Text und Zahlen per Softtastatur bei Wegpunkten etc..
  • Nach wie vor kann ich nicht begreifen, warum man beim Colorado und nun auch beim Oregon nur zwei Datenfelder in der Kartenansicht ermöglicht. Schlichtweg unfassbar. Größeres Display aber weniger Datenfelder!? 🙁 Ich nutze auf dem Fahrrad den Pulsgurt und den Trittfrequenzsensor. Aber da die Informationen zur Navigation wichtiger sind, kann ich mir Puls und Trittfrequenz nicht anzeigen lassen sondern muss hierzu immer die Menüseite wechseln.
  • Straßenrouting läuft gut. Allerdings ist die Zeit bis zur Neuberechnung der Route bei Abweichungen teilw. recht lang.
  • GPS Empfindlichkeit ist sehr hoch. Also auch bei schlechten Verhältnissen guter Empfang. Ob auch hier der Positionsfehler bei möglichen Signalreflektionen (Hauswände, Felswände), wie beim Colorado, auftritt muss noch getestet werden.
  • Wie lange die Batterien halten interessiert mich geradezu brennend. Nach meinen Erfahrungen mit dem Colorado bin ich hier mehr als pessimistisch. Sollten die 16h allerdings zutreffen, wäre ich durchaus zufrieden.

Ab Freitag (oder Samstag) werde ich im Virgental (Venedigergruppe) unterwegs sein und das Wunderwerk der Technik einem Praxistest unterziehen. Ich werde dann später darüber berichten.

Der lange Weg zum Tilicho Lake in Nepal

Hier geht´s zu den Fotos der Tour

Hier ein Paar Eckdaten, die auf den Tourenbericht neugierig machen sollen:

vom 29.09.-01.11.2000
280 km Wegstrecke
4Wochen Zelttrekking ohne Rasttag
durchlaufen aller Vegetationsstufen vom Subtropischen Regenwald über Wüste bis hin zur Gletscherregion
18 000 Höhenmeter im Aufstieg
geringste Höhe 500 m höchste erreichte Höhe ca. 5900 m
4 hohe Pässe um die 5000 m
höchste Temperatur +35° C niedrigste -15° C

Wo die Seele der Götter türkis ist

Von Ralf Brehl

Es gibt Zeitspannen, die man mit einer Anzahl von Minuten beziffern könnte, wo man in seiner Erkenntnis viel mehr erlebt, als in ganzen Jahren. -Dostojewski-

Es ist Herbst im Himalaya und damit die beste Zeit für ein ungewöhnliches Unternehmen. Fünf Bergsteiger machen sich auf den langen Weg zu einer 30-tägigen Tour in der Annapurna-Region in Nepal. Ziel ist nicht das übliche schnelle Trekking oder die wochenlange „Belagerung“ eines hohen Berges. Ziel ist die behutsame und respektvolle Näherung an eine ursprüngliche, wilde Landschaft am höchstgelegenen, größten See unserer Erde. Weit von jeder menschlichen Siedlung entfernt, soll von einem Basislager auf fast 5000 Metern, eine Woche lang, der geheimnisvolle Tilicho Lake und seine nähere Umgebung erkundet werden.

Traum-Fantasie-Idee. Der lange Weg zur Realisierung beginnt mit den Erfahrungen während einer kommerziellen Trekking-Tour. Schnellen Schrittes durch ein Land und eine Landschaft, deren Menschen, ihre Kultur und die Natur vertiefende Aufmerk-samkeit verdienen. Von Highlight zu Highlight – gebuchtes Abhaken von Gipfeln. Nein! Wir wollen die Langsamkeit für uns wieder entdecken. Eigenverantwortlich für uns, unsere Zeit und unsere Erlebnisse werden, intensiv eintauchen in die uns umgebende Natur – sie und uns mit Muße erfahren. Aber wie? Wieviele Teilnehmer, wer, wohin, wie lange? Reicht das Können, die Erfahrungen in den Alpen und die paar kleinen Einblicke ins Himalaya, um die Fantasie Wirklichkeit werden zu lassen, selbst zu organisieren und dann auch durchzustehen? Halten wir mehrere Wochen in großen Höhen aus?

Und dann der Entschluß – wir wagen es! Nicht vielleicht, nicht mal sehen oder man müßte mal. Die Sehnsucht ist stärker als alle Zweifel. Was folgt sind Monate der Bürokratie, Telefonate, eben Organisationskrempel, denn für diese anspruchsvolle Tour brauchen wir Trägerhilfe und diverse Genehmigungen. Oft genug drohen scheinbar unüberwindbare Hürden das Unternehmen zum Scheitern zu bringen. Ein wilder, chaotischer Traum, zusammengesetzt aus wirren Gedankenfetzen, entwickelt sich dennoch langsam Stück für Stück zu einem Bild. Zu einer Geschichte – zu unserer eigenen Geschichte …

Ohne hübsche Krankenschwester

Schnell stehen drei Teilnehmer fest, aber drei sind zu wenig. Aufwand, Anspruch und Charakter der Tour veranlassen uns zu Anzeigen in einschlägigen Zeitschriften. Die Hürden sind abschreckend hoch: Extrem-Trekking, fünf Wochen, Höhenerfahrung, das liebe Geld…

Kuriose Anrufe und Kontakte folgen:

„Mein Bergführer ist ausgefallen, deshalb suche ich neuen Anschluß.“

„Ins Himalaya wollte ich immer schon mal, der fehlt mir noch in meiner Sammlung…“

„Ich kenne da eine interessierte Krankenschwester, zwar ohne Berg-erfahrung, aber hübsch ist sie…“

Letztendlich sind wir dann fünf männliche Teilnehmer -zwischen 34 und 61 Jahre alt-, die nach Nepal ins Herz des Himalaya fliegen und sich auf den langen Marsch zu dem geheimnisvollen, einsamen See begeben wollen…

„30 Tage Trekking – in der Höhe! Seid ihr wahnsinnig? Das ist aus medizinischer Sicht in dieser abgeschiedenene Gegend nicht zu verantworten – und wenn, dann nur, wenn ihr …“

Es folgt von unserem beratenden Mediziner eine vierseitige Liste mit „unbedingt notwendiger“ medizinischer Ausrüstung. Deren Umfang soll uns entweder abschrecken oder in die Lage versetzen, bei allen nur denkbaren Katastrophenfällen

dieser Welt, als mobile ärztliche Eingreiftruppe sofort eingesetzt zu werden. Eine harte, anstrengende Diskussion ergibt den Inhalt eines kleinen Alukoffers und die Hoffnung, uns nicht für das Falsche entschieden zu haben…

Unserem „Medizinmann“ und den milde gestimmten Göttern haben wir es zu verdanken, dass der Koffer mit fast ungeschmälertem Inhalt nach der Tour als Spende in Nepal bleiben konnte.

Wintersport im Himalaya?

„Sie wollen fünf Wochen Urlaub am

Stück? Dann können Sie gleich kündigen!“

„Himalaya? Ist das nicht gefährlich? Kommen Sie bloß gesund wieder, ich kann mir Ihren Ausfall nicht leisten – und wie lasse ich Sie vertreten …?“

Wie heißt ein altes Sprichwort: „Vor dem Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt.“ Überzeugungsarbeit bei unseren Chefs -Werbung in eigener Sache- sind ein hartes mentales Training zur Vorbereitung unserer Tour. Und erst die Reaktion unserer Familien…

Ahnungslose Stimmen aus unserem Umfeld:

„Wie heißt denn euer Hotel?.“

„Kann man da auch duschen?“

„Meld´ dich doch mal telefonisch von unterwegs …!“

„Vergiß nicht dein Handy!“

„Fahrt ihr Jeep oder Bus?“

„Eine Daunenjacke und Handschuhe

nimmst du mit – ach´ du fährst zum Wintersport.“

Ich versuche eine Richtigstellung:

„Kein Hotel, keine Dusche, kein Telefon, kein Handy, alles zu Fuß und nachts auch schon mal minus 20 C!“

Fassungslos folgt die Erwiderung:

„Und das soll Urlaub sein oder kriegst du dafür was bezahlt?“

Als Luxus eine dritte Unterhose

Mitten in den Vorbereitungen ereilt uns ein Anruf aus Kathmandu. Die Trekkingagentur, die wir mit der Organisation vor Ort beauftragt haben, übermittelt uns den Verdacht der nepalesischen Behörden, dass

wir illegale Gipfelbesteigungen während

unseres einwöchigen Aufenthaltes am Tilicho Lake planen, um die hohen Genehmigungsgebühren zu sparen. Was sollten Europäer denn sonst so lange dort wollen, an einem solchen, fernen Ort?! Schon wieder Überzeugungsarbeit. Nein – nicht alle Europäer rennen, hasten, eilen immer und überall und erst recht nicht immer durch Landschaften oder auf Gipfel. Nein wirklich, wir wollen Eindrücke sammeln, fotografieren, und einfach nur mit viel Zeit genießen… Keine illegalen Geheimnisse, es sei denn, man benötigt für die Suche nach dem Yeti eine Genehmigung…

„Mensch Ralf, ich hab´ hier 40 Kilo und weiß nicht mehr, was ich ´rausnehmen soll, es ist alles ja so waaaahnsinnig wichtig.“ Manfreds Stimme läßt mich seinen Seelenzustand ahnen. 20 Kilo im Seesack ist unverrückbar die zwingende Vorgabe der Fluggesellschaft. „Unmöglich!!!“

Vier Wochen reine Trekking-Tour stehen uns bevor, davon fast zwei Wochen in extremer Höhe. Wie reduziert man seine eigene Existenzsicherung auf vergleichsweise wenige Kilo? Welchen Luxus gönne ich mir? Was ist überhaupt Luxus? Ein Schokoriegel, ein Buch, ein Spiegel, ein Kamm, Bonbons oder gar eine dritte Unterhose …?

Jeder, der uns auf dem Flughafen erlebt, kann die Lösung unseres Gepäckproblems mit eigenen Augen sehen. Um teures Übergepäck zu vermeiden, wanken dick eingepackte Daunenriesen mit schweren Bergstiefeln, furchterregend wie verkleidete Yetis, mit vollen Jackentaschen durch die Abfertigungshallen und lassen sich auf die engen Sitze der Maschine plumpsen…

Formel 1-Talent als Fahrer

Es geht endlich los. Insgesamt fünf Wochen sind den Zwängen abgerungen und vielfältige Widerstände wurden beseitigt. Wir sind aufgeregt, neugierig und bereit zum Eintauchen und Aufspüren eigener Empfindungen, zum Ausleben der im Alltag unseres zivilisierten Lebens gefangenen Sehnsucht nach einem Blick über den Horizont…

In Kathmandu dann noch einmal mahnende Warnungen der Behörden und offen geäußertes Mißtrauen und Unverständnis für unser Unternehmen… „Nein, wirklich, ehrlich ….sie können uns glauben – kein Siebentausender!“

Die Überredungskünste unserer nepalesischen Freunde verhelfen uns zur letzten noch fehlenden Genehmigung zum Betreten des ansonsten verbotenen Grenzgebietes zu China.

Organisieren, packen, prüfen. Nach zwei hektischen Tagen folgt eine sechsstündige Busfahrt über kurvige Bergstraßen mit einem bisher offensichtlich verkannten Formel 1-Talent als Fahrer und etlichen Stoßgebeten von uns. Am Ende der Straße liegt der kleine Ort Gorkha. Ab hier geht es vier Wochen lang nur noch zu Fuß weiter. Endlich Abmarsch und schon verlieren wir uns in den unendlichen Weiten des HimalayaimalayaH. Tag für Tag des zweiwöchigen Anmarsches zum See entfernen wir uns körperlich und mental immer mehr von dem, was sonst unser Leben bestimmt und diktiert. Noch hängen die schweren Wolken des Nachmonsuns in den Bergen. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto mehr verschwindet die Feuchtigkeit und das Wetter öffnet alle Fenster zum Schauen. Wir umrunden den Achttausender Manaslu und dürfen uns mit unserer Sondergenehmigung bis dicht an die nepalesisch/tibetische Grenze wagen. Ein weiterer Achttausender, die Annapurna, wird sichtbar. Unsere Anspannung wächst, liegt doch am Fuße dieses mächtigen Berges „unser“ Ziel, der Tilicho Lake.

Die lachenden Augen des Lamas

Unser Ruf eilt uns voraus. In dem letzten bewohnten Dorf vor dem See, in Kangshar, bittet der örtliche Lama (Priester) zur Audienz. Diese Menschen will er sich einmal näher anschauen, die sich derart unüblich, weil ruhig und mit Muße, den Göttern nähern wollen. Wir werden freundlich und neugierig empfangen, bekommen Buttertee und tauchen ein in die mystische Welt des tibetischen Buddhismus. Der geheimnisvolle Zauber, der diesen Ort umgibt, nimmt uns gefangen. Die Philosopie unserer Tour und der Respekt, den wir ihm und seiner Weltanschauung entgegenbringen, beeindruckt letztendlich den alten, runzligen Lama mit seinen lachenden Augen. Nach einigen Übersetzungsmühen bekommen wir mit, dass er unser Ziel, den Tilicho Lake, geheimnisvoll murmelnd, als die türkisfarbene Seele der Götter bezeichnet. Bei uns steigt weiter die Spannung. Butterlampen werden für unsere glückliche und gesunde Wiederkehr entzündet und seine guten Wünsche für uns werden hoffentlich bis zu den Göttern dringen …

Nach weiteren akklimatisationsbedingt gemächlichen Tagen des Anmarsches erreichen wir endlich den Tilicho Lake und errichten in ca. 4950 Metern unser Basislager direkt am See. Uns stockt der Atem nicht nur wegen der dünnen Höhenluft. Jetzt verstehen wir den Lama. Türkisfarben glitzernd wie ein Edelstein liegt eine riesige Wasserfläche vor uns. Eingerahmt von einem Festsaal des Himalaya. Sieben- und Achttausender, klingende Namen wie Annapurna, Gangapurna, Nilgiri, Tilicho Peak und unzählige namenlose Sechstausender beherrschen das Bild. Eiswände und Gletscher in Dimensionen, wie sie Schrift und Bild nicht wiedergeben können. Unser „Zuhause“ für eine Woche.

Höchster Konzertsaal der Welt

Die Bläser setzen allmählich und vorsichtig ein, schwellen an und werden unterstützend getragen von dem breiten Teppich der Streicher. Fein und zart schleicht sich eine Klarinette ins Ohr. Meine Augen lassen sich verführen, dem feenhaften, tänzerischen Spiel von Schleierwölkchen zu folgen, die wie ein Hauch des Windes den eisflankengepanzerten Gipfelaufbau eines Felsgiganten umschmeicheln.

Beethovens Neunte nimmt derweil ihren dramatischen Lauf …

Auf einem ebenen, tischgroßen Granitblock in der Sonne liegend, befinde ich mich im atemberaubendsten Konzertsaal der Welt – nicht nur, weil der Höhenmesser 5364 Meter anzeigt. Am See unter mir erkenne ich unser Basislager mit den bunten flatternden Gebetsfahnen, die wir vorsichtshalber zu Ehren der Götter an den Zelten befestigt haben. In der Ferne erhebt sich mächtig und gewaltig die eisgepanzerte Pyramide der fast 7500 Meter hohen Gangapurna. Mir gegenüber steht die unendlich lang erscheinende so genannte „Große Barriere“, die den See nach Westen begrenzt. Diese kilometerlange Mauer aus Fels, Eis und Schnee entsendet täglich Staublawinen, die wie ein ICE mit ohrenbetäubendem Lärm und beeindruckenden Druckwellen der Schwerkraft folgend auf den See zurasen.

In meinen Ohren stecken die Hörerwinzlinge eines Mini-Disc-Players. Meinem puritanischen Hang folgend, lehnte ich die Frage eines Freundes vor unserer Tour energisch ab, ob ich dieses Teil mitnehmen wolle. Schließlich gab ich aber der Versuchung nach und willigte zögernd ein.

Paßt Entrückung, innere Einkehr und High-

Tech zusammen ?

Die letzten Töne der „Ode an die Freude“ sind verklungen und hallen von nun an mit diesem Eindruck lebenslang nach.

Das ist für mich Antwort genug …

Überhebliche Menschenzwerge

Einen Grenzgang der besonderen Art erleben Volker und ich. Zu Hause studieren wir Bilder und Karten, immer und immer wieder. Ein entferntes Gletscherbecken in einem Seitental hat es uns angetan. Eine Tagestour soll uns zu Entdeckern des Unbekannten werden lassen. Nach einem halben Tagesmarsch stehen wir an unserer Grenze: Ein reißender Bach! Zu reißend, zu breit, unüberwindbar! Wer hätte das am grünen Tisch gedacht? Hektisch renne ich hin und her, es muss doch gehen. Es geht nicht – wir gehen nicht. Zwei kleine Menschenzwerge sitzen höhenbedingt schwer atmend verloren mitten im riesigen Himalaya und haben Zeit, über ihre Überheblichkeit und die grenzgebende Natur nachzudenken.

Ich bin Optimist: Eine Erfahrung mehr und schön, dass noch Träume bleiben …

Die türkisfarbene Seele der Götter

Nach einer empfindlich kalten Nacht mit über minus 20 Grad habe ich vor Sonnenaufgang meinen Rucksack geschnappt und bin allein losgezogen. Den Ruhe ausstrahlenden See entlangwandernd erkunde ich die Landschaft, entdecke für mich diese neue Welt, lasse mich treiben, weglos, zeitlos…

Nun stehe ich auf einem knapp 5900 Meter hohen Schuttberg auf der anderen Seite des Sees. Das Alleinsein schärft die Sinne und konzentriert den Kontakt zum Umfeld. Ich fühle mich eins mit dem Boden, dem Wasser, der Luft und den Bergen, auf deren Gipfeln die Götter wohnen sollen. Spätestens jetzt spüre ich wirklich, was der Lama meinte und die Auflösung des Geheimnisses des Tilicho Lakes ist fühlbar. Mein Blick schweift über den großen See hinüber zu einem mächtigen Gletscher. Scheinbar aus dem Himmel kommend wälzt sich dieser eine Tausend-Meter-Wand hinunter. Am See angekommen, „zerbröselt“ er in hausgroße Blöcke, um dann mit der „Seele der Götter“ zu verschmelzen. Türkisfarben strahlend scheint sie tatsächlich inmitten dieser archaischen Landschaft zu liegen.

Dies ist der für mich intensivste Moment unserer Tour und ich kann mich kaum losreißen!

In der Dämmerung bin ich wieder „zu Hause“ im Basislager bei meinen Freunden.

Sehnsucht nach neuen Zielen

Die Götter waren uns wohlgesonnen. Wir sind alle gesund, wohlbehalten und als Freunde zurückgekehrt. Unser Ziel, uns behutsam und mit Muße in einer der wildesten Landschaften unserer Erde zu bewegen, haben wir erreicht und sind um unschätzbare Erfahrungen und Erlebnisse reicher geworden. Den weiten Weg von einer Idee bis zur Realisierung erfolgreich gegangen zu sein, hat Mut gemacht und unsere Sehnsucht ist längst schon wieder geweckt. Das nächste Ziel steht fest und in ein paar Monaten machen wir uns wieder auf einen langen Weg …

Hier geht´s zu den Fotos der Tour

Besteigung des Imjatse (Island Peak), 6189 m

Über die Daunenjacke, die Befindlichkeit

und den Himalaya, der überall ist …

Gedanken und Gefühle bei der Besteigung des Imjatse (Island Peak),6189 m
von Ralf Brehl

 

Ich (Ralf Brehl) und Piet (im Vordergrund) am Gipfel des Island Peak 6189mIm Oktober des Jahres 1998 machte sich eine Gruppe von 7 Bergsteigern auf den langen Weg zu den Göttern des Himalaya. Ziel war ein über 5000 Meter hochgelegenes, einsames Tal in Nepal in der Nähe des Everest. Am Ende der selbstorganisierten, fast 6-wöchigen Tour, sollte auf dem Rückmarsch -sozusagen als Schmankerl- ein zweiter, leichter Sechstausender bestiegen werden. Hinter dem Basislager auf 5160 m Höhe lag der Imjatse (Island Peak), 6189 m, was folgte, war alles andere als der geplante „Spaziergang“. Die kräftezehrenden Wochen zuvor in den Hochlagern hatten Spuren hinterlassen und jeder Schritt, der 1029 zu über-windenden Höhenmeter, gab Gelegenheit, über die Zweifelhaftigkeit dieses Tuns nachzudenken …

Die Besteigung fängt schon am Vortag an – im Kopf und beim Packen: Abwägen, was ist unverzichtbar, kramen, wühlen, die Zahnbürste fliegt ´raus. Welche Kleidung: Zwei Hosen und Überhose oder Normalausführung ? Daunenjacke ? Ich schaue durch die klare Luft immer und immer wieder hoch. Ha ! – lächerliche 1000 Höhenmeter ! Aber immerhin 1000 am Stück, in dieser Höhe, nach den Strapazen bisher !

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Skitour durchs Tote Gebirge (Die Tour der „toten Füße“)

Oder, die Tour der Toten Füße

Am 03.März 2001 machte ich mich, nach relativ kurzer aber intensiver Vorbereitung, auf in Richtung Totes Gebirge.

Ich hatte mich für die Bahnfahrt entschieden.Da die Verbindung sehr gut war.Von Berlin nach Roßleithen einmal Umsteigen,über Nacht und mit Schlafplatz.Auch der Preis war recht günstig .Hin und zurück inklusive Liegeplatz auf der Hinfahrt und Platzkarten auf der Rückfahrt,nur 322,00 DM (Österreichsparpreis).

Ich hatte lange überlegt ob ich mit Tourenski oder doch lieber mit Schneeschuhen gehen sollte.Entschied mich dann aber doch für die Ski .Ich hatte bis dahin nur wenig Erfahrungen mit Skitourengehen und wollte die technisch einfache Strecke nutzen um mich mit der Materie etwas vertrauter zu machen.

Die Strecke, die ich mir ausgesucht hatte sollte von Roßleithen durchs Zwischenwandental über Hochmölbinghütte , Interhüttenalm. Leistalm, Steirerseealm,
das Hochplateau,Pühringer- und Wildenseehütte nach Bad Ischl verlaufen.

Gerechnet hatte ich aber nicht mit der Heimtücke meiner Tourenschuhe.Diese hatten sich bisher als völlig unbedenklich erwiesen.Sollten mir aber auf dieser Tour arg zusetzen.
Die 23 Kg Ballast die ich auf dem Rücken hatte tatenHansaplast half über das schlimmste hinwegdas ihrige dazu.

 

 

Aber nichts desto trotz, hatte ich einige schöne und erlebnisreiche Tage vor mir.

Und so startete ich von Roßleithen in dieses Abenteuer. Das Wetter war in den ersten drei Tagen alles andere als gut. Nebel, Schneefall und Windböen machten das vorankommen nicht unbedingt leichter.

Blick zum ZwischenwandenpaßBis zum Zwischenwandenpaß war der Weg aber gut zu finden. Wenn ich auch niemanden traf, so lagen doch einige Skispuren.Aber dann wurde es schon schwieriger.Von Bärnegg bis zur Interhüttenalm war keine einzige Spur zu entdecken.Zeitweise war es nötig „Sternmärsche“ zu veranstalten um die nächste Wegmarkierung zu finden.

Bis zur Liezener Hütte war die Markierung noch recht gut.Aber da der Schnee teilweise bis zu 1,8 m hoch war, trotzdem nicht immer gut zu finden. Ab Liezener Hütte wurde es noch schwieriger.Sichtweite teilweise unter 20 m und undeutliche Farbmarkierungen erschwerten die Orientierung.Mit Karte und Kompaß konnte ich zwar gut umgehen.Aber ohne Orientierungspunkt im stark strukturierten Gelände waren sie doch nur bedingt hilfreich.

 

Inzwischen habe ich weitere Touren im Toten Gebirge unternommen. Ich will sehen, dass ich so nach und nach diesen und die anderen Berichte vervollständige.

Nach viermaligem Anlauf habe ich es 2004 nun endlich geschafft die gesamte Strecke von Bad Ischl bis Rßleithen zu gehen. Mit schwerem Rucksack und White Out und Schneetreiben in den ersten 5 Tagen. Dank GPS und inzwischen gesammelter Erfahrungen in diesem Gebiet habe ich mich aber doch durchgefunden.

 

Fotos zu dieser Tour