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Freiheit für Tibet!

Freiheit für Tibet!

Auf unseren Reisen in den Himalaya wurden wir immer wieder mit der Situation in Tibet konfrontiert und haben durch tibetische Flüchtlinge zum Beispiel in Nepal und Indien viel über das Schiksal des tibetischen Volkes erfahren. Bisher haben wir uns auf unserer Web-Site aus grundsätzlichen Erwägungen jeglicher politischer Kommentare enthalten. Unser Gewissen und unsere Sympathie für das tibetische Volk veranlassen uns jedoch, hier und eindeutig Stellung zu beziehen und nicht zu schweigen.

Wir unterstützen das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes und die Forderung des Dalai Lama nach der Achtung seiner kulturellen und religiösen Integrität.

Wir verurteilen das chinesische Vorgehen und fordern von der chinesischen Regierung die Einhaltung der Menschenrechte, die Freilassung der festgenommenen Tibeter und die Widerherstellung der journalistischen Pressefreiheit.

Weitere Informationen http://www.tibet-initiative.de/

Tibetflagge

Der lange Weg zum Tilicho Lake in Nepal

Hier geht´s zu den Fotos der Tour

Hier ein Paar Eckdaten, die auf den Tourenbericht neugierig machen sollen:

vom 29.09.-01.11.2000
280 km Wegstrecke
4Wochen Zelttrekking ohne Rasttag
durchlaufen aller Vegetationsstufen vom Subtropischen Regenwald über Wüste bis hin zur Gletscherregion
18 000 Höhenmeter im Aufstieg
geringste Höhe 500 m höchste erreichte Höhe ca. 5900 m
4 hohe Pässe um die 5000 m
höchste Temperatur +35° C niedrigste -15° C

Wo die Seele der Götter türkis ist

Von Ralf Brehl

Es gibt Zeitspannen, die man mit einer Anzahl von Minuten beziffern könnte, wo man in seiner Erkenntnis viel mehr erlebt, als in ganzen Jahren. -Dostojewski-

Es ist Herbst im Himalaya und damit die beste Zeit für ein ungewöhnliches Unternehmen. Fünf Bergsteiger machen sich auf den langen Weg zu einer 30-tägigen Tour in der Annapurna-Region in Nepal. Ziel ist nicht das übliche schnelle Trekking oder die wochenlange „Belagerung“ eines hohen Berges. Ziel ist die behutsame und respektvolle Näherung an eine ursprüngliche, wilde Landschaft am höchstgelegenen, größten See unserer Erde. Weit von jeder menschlichen Siedlung entfernt, soll von einem Basislager auf fast 5000 Metern, eine Woche lang, der geheimnisvolle Tilicho Lake und seine nähere Umgebung erkundet werden.

Traum-Fantasie-Idee. Der lange Weg zur Realisierung beginnt mit den Erfahrungen während einer kommerziellen Trekking-Tour. Schnellen Schrittes durch ein Land und eine Landschaft, deren Menschen, ihre Kultur und die Natur vertiefende Aufmerk-samkeit verdienen. Von Highlight zu Highlight – gebuchtes Abhaken von Gipfeln. Nein! Wir wollen die Langsamkeit für uns wieder entdecken. Eigenverantwortlich für uns, unsere Zeit und unsere Erlebnisse werden, intensiv eintauchen in die uns umgebende Natur – sie und uns mit Muße erfahren. Aber wie? Wieviele Teilnehmer, wer, wohin, wie lange? Reicht das Können, die Erfahrungen in den Alpen und die paar kleinen Einblicke ins Himalaya, um die Fantasie Wirklichkeit werden zu lassen, selbst zu organisieren und dann auch durchzustehen? Halten wir mehrere Wochen in großen Höhen aus?

Und dann der Entschluß – wir wagen es! Nicht vielleicht, nicht mal sehen oder man müßte mal. Die Sehnsucht ist stärker als alle Zweifel. Was folgt sind Monate der Bürokratie, Telefonate, eben Organisationskrempel, denn für diese anspruchsvolle Tour brauchen wir Trägerhilfe und diverse Genehmigungen. Oft genug drohen scheinbar unüberwindbare Hürden das Unternehmen zum Scheitern zu bringen. Ein wilder, chaotischer Traum, zusammengesetzt aus wirren Gedankenfetzen, entwickelt sich dennoch langsam Stück für Stück zu einem Bild. Zu einer Geschichte – zu unserer eigenen Geschichte …

Ohne hübsche Krankenschwester

Schnell stehen drei Teilnehmer fest, aber drei sind zu wenig. Aufwand, Anspruch und Charakter der Tour veranlassen uns zu Anzeigen in einschlägigen Zeitschriften. Die Hürden sind abschreckend hoch: Extrem-Trekking, fünf Wochen, Höhenerfahrung, das liebe Geld…

Kuriose Anrufe und Kontakte folgen:

„Mein Bergführer ist ausgefallen, deshalb suche ich neuen Anschluß.“

„Ins Himalaya wollte ich immer schon mal, der fehlt mir noch in meiner Sammlung…“

„Ich kenne da eine interessierte Krankenschwester, zwar ohne Berg-erfahrung, aber hübsch ist sie…“

Letztendlich sind wir dann fünf männliche Teilnehmer -zwischen 34 und 61 Jahre alt-, die nach Nepal ins Herz des Himalaya fliegen und sich auf den langen Marsch zu dem geheimnisvollen, einsamen See begeben wollen…

„30 Tage Trekking – in der Höhe! Seid ihr wahnsinnig? Das ist aus medizinischer Sicht in dieser abgeschiedenene Gegend nicht zu verantworten – und wenn, dann nur, wenn ihr …“

Es folgt von unserem beratenden Mediziner eine vierseitige Liste mit „unbedingt notwendiger“ medizinischer Ausrüstung. Deren Umfang soll uns entweder abschrecken oder in die Lage versetzen, bei allen nur denkbaren Katastrophenfällen

dieser Welt, als mobile ärztliche Eingreiftruppe sofort eingesetzt zu werden. Eine harte, anstrengende Diskussion ergibt den Inhalt eines kleinen Alukoffers und die Hoffnung, uns nicht für das Falsche entschieden zu haben…

Unserem „Medizinmann“ und den milde gestimmten Göttern haben wir es zu verdanken, dass der Koffer mit fast ungeschmälertem Inhalt nach der Tour als Spende in Nepal bleiben konnte.

Wintersport im Himalaya?

„Sie wollen fünf Wochen Urlaub am

Stück? Dann können Sie gleich kündigen!“

„Himalaya? Ist das nicht gefährlich? Kommen Sie bloß gesund wieder, ich kann mir Ihren Ausfall nicht leisten – und wie lasse ich Sie vertreten …?“

Wie heißt ein altes Sprichwort: „Vor dem Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt.“ Überzeugungsarbeit bei unseren Chefs -Werbung in eigener Sache- sind ein hartes mentales Training zur Vorbereitung unserer Tour. Und erst die Reaktion unserer Familien…

Ahnungslose Stimmen aus unserem Umfeld:

„Wie heißt denn euer Hotel?.“

„Kann man da auch duschen?“

„Meld´ dich doch mal telefonisch von unterwegs …!“

„Vergiß nicht dein Handy!“

„Fahrt ihr Jeep oder Bus?“

„Eine Daunenjacke und Handschuhe

nimmst du mit – ach´ du fährst zum Wintersport.“

Ich versuche eine Richtigstellung:

„Kein Hotel, keine Dusche, kein Telefon, kein Handy, alles zu Fuß und nachts auch schon mal minus 20 C!“

Fassungslos folgt die Erwiderung:

„Und das soll Urlaub sein oder kriegst du dafür was bezahlt?“

Als Luxus eine dritte Unterhose

Mitten in den Vorbereitungen ereilt uns ein Anruf aus Kathmandu. Die Trekkingagentur, die wir mit der Organisation vor Ort beauftragt haben, übermittelt uns den Verdacht der nepalesischen Behörden, dass

wir illegale Gipfelbesteigungen während

unseres einwöchigen Aufenthaltes am Tilicho Lake planen, um die hohen Genehmigungsgebühren zu sparen. Was sollten Europäer denn sonst so lange dort wollen, an einem solchen, fernen Ort?! Schon wieder Überzeugungsarbeit. Nein – nicht alle Europäer rennen, hasten, eilen immer und überall und erst recht nicht immer durch Landschaften oder auf Gipfel. Nein wirklich, wir wollen Eindrücke sammeln, fotografieren, und einfach nur mit viel Zeit genießen… Keine illegalen Geheimnisse, es sei denn, man benötigt für die Suche nach dem Yeti eine Genehmigung…

„Mensch Ralf, ich hab´ hier 40 Kilo und weiß nicht mehr, was ich ´rausnehmen soll, es ist alles ja so waaaahnsinnig wichtig.“ Manfreds Stimme läßt mich seinen Seelenzustand ahnen. 20 Kilo im Seesack ist unverrückbar die zwingende Vorgabe der Fluggesellschaft. „Unmöglich!!!“

Vier Wochen reine Trekking-Tour stehen uns bevor, davon fast zwei Wochen in extremer Höhe. Wie reduziert man seine eigene Existenzsicherung auf vergleichsweise wenige Kilo? Welchen Luxus gönne ich mir? Was ist überhaupt Luxus? Ein Schokoriegel, ein Buch, ein Spiegel, ein Kamm, Bonbons oder gar eine dritte Unterhose …?

Jeder, der uns auf dem Flughafen erlebt, kann die Lösung unseres Gepäckproblems mit eigenen Augen sehen. Um teures Übergepäck zu vermeiden, wanken dick eingepackte Daunenriesen mit schweren Bergstiefeln, furchterregend wie verkleidete Yetis, mit vollen Jackentaschen durch die Abfertigungshallen und lassen sich auf die engen Sitze der Maschine plumpsen…

Formel 1-Talent als Fahrer

Es geht endlich los. Insgesamt fünf Wochen sind den Zwängen abgerungen und vielfältige Widerstände wurden beseitigt. Wir sind aufgeregt, neugierig und bereit zum Eintauchen und Aufspüren eigener Empfindungen, zum Ausleben der im Alltag unseres zivilisierten Lebens gefangenen Sehnsucht nach einem Blick über den Horizont…

In Kathmandu dann noch einmal mahnende Warnungen der Behörden und offen geäußertes Mißtrauen und Unverständnis für unser Unternehmen… „Nein, wirklich, ehrlich ….sie können uns glauben – kein Siebentausender!“

Die Überredungskünste unserer nepalesischen Freunde verhelfen uns zur letzten noch fehlenden Genehmigung zum Betreten des ansonsten verbotenen Grenzgebietes zu China.

Organisieren, packen, prüfen. Nach zwei hektischen Tagen folgt eine sechsstündige Busfahrt über kurvige Bergstraßen mit einem bisher offensichtlich verkannten Formel 1-Talent als Fahrer und etlichen Stoßgebeten von uns. Am Ende der Straße liegt der kleine Ort Gorkha. Ab hier geht es vier Wochen lang nur noch zu Fuß weiter. Endlich Abmarsch und schon verlieren wir uns in den unendlichen Weiten des HimalayaimalayaH. Tag für Tag des zweiwöchigen Anmarsches zum See entfernen wir uns körperlich und mental immer mehr von dem, was sonst unser Leben bestimmt und diktiert. Noch hängen die schweren Wolken des Nachmonsuns in den Bergen. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto mehr verschwindet die Feuchtigkeit und das Wetter öffnet alle Fenster zum Schauen. Wir umrunden den Achttausender Manaslu und dürfen uns mit unserer Sondergenehmigung bis dicht an die nepalesisch/tibetische Grenze wagen. Ein weiterer Achttausender, die Annapurna, wird sichtbar. Unsere Anspannung wächst, liegt doch am Fuße dieses mächtigen Berges „unser“ Ziel, der Tilicho Lake.

Die lachenden Augen des Lamas

Unser Ruf eilt uns voraus. In dem letzten bewohnten Dorf vor dem See, in Kangshar, bittet der örtliche Lama (Priester) zur Audienz. Diese Menschen will er sich einmal näher anschauen, die sich derart unüblich, weil ruhig und mit Muße, den Göttern nähern wollen. Wir werden freundlich und neugierig empfangen, bekommen Buttertee und tauchen ein in die mystische Welt des tibetischen Buddhismus. Der geheimnisvolle Zauber, der diesen Ort umgibt, nimmt uns gefangen. Die Philosopie unserer Tour und der Respekt, den wir ihm und seiner Weltanschauung entgegenbringen, beeindruckt letztendlich den alten, runzligen Lama mit seinen lachenden Augen. Nach einigen Übersetzungsmühen bekommen wir mit, dass er unser Ziel, den Tilicho Lake, geheimnisvoll murmelnd, als die türkisfarbene Seele der Götter bezeichnet. Bei uns steigt weiter die Spannung. Butterlampen werden für unsere glückliche und gesunde Wiederkehr entzündet und seine guten Wünsche für uns werden hoffentlich bis zu den Göttern dringen …

Nach weiteren akklimatisationsbedingt gemächlichen Tagen des Anmarsches erreichen wir endlich den Tilicho Lake und errichten in ca. 4950 Metern unser Basislager direkt am See. Uns stockt der Atem nicht nur wegen der dünnen Höhenluft. Jetzt verstehen wir den Lama. Türkisfarben glitzernd wie ein Edelstein liegt eine riesige Wasserfläche vor uns. Eingerahmt von einem Festsaal des Himalaya. Sieben- und Achttausender, klingende Namen wie Annapurna, Gangapurna, Nilgiri, Tilicho Peak und unzählige namenlose Sechstausender beherrschen das Bild. Eiswände und Gletscher in Dimensionen, wie sie Schrift und Bild nicht wiedergeben können. Unser „Zuhause“ für eine Woche.

Höchster Konzertsaal der Welt

Die Bläser setzen allmählich und vorsichtig ein, schwellen an und werden unterstützend getragen von dem breiten Teppich der Streicher. Fein und zart schleicht sich eine Klarinette ins Ohr. Meine Augen lassen sich verführen, dem feenhaften, tänzerischen Spiel von Schleierwölkchen zu folgen, die wie ein Hauch des Windes den eisflankengepanzerten Gipfelaufbau eines Felsgiganten umschmeicheln.

Beethovens Neunte nimmt derweil ihren dramatischen Lauf …

Auf einem ebenen, tischgroßen Granitblock in der Sonne liegend, befinde ich mich im atemberaubendsten Konzertsaal der Welt – nicht nur, weil der Höhenmesser 5364 Meter anzeigt. Am See unter mir erkenne ich unser Basislager mit den bunten flatternden Gebetsfahnen, die wir vorsichtshalber zu Ehren der Götter an den Zelten befestigt haben. In der Ferne erhebt sich mächtig und gewaltig die eisgepanzerte Pyramide der fast 7500 Meter hohen Gangapurna. Mir gegenüber steht die unendlich lang erscheinende so genannte „Große Barriere“, die den See nach Westen begrenzt. Diese kilometerlange Mauer aus Fels, Eis und Schnee entsendet täglich Staublawinen, die wie ein ICE mit ohrenbetäubendem Lärm und beeindruckenden Druckwellen der Schwerkraft folgend auf den See zurasen.

In meinen Ohren stecken die Hörerwinzlinge eines Mini-Disc-Players. Meinem puritanischen Hang folgend, lehnte ich die Frage eines Freundes vor unserer Tour energisch ab, ob ich dieses Teil mitnehmen wolle. Schließlich gab ich aber der Versuchung nach und willigte zögernd ein.

Paßt Entrückung, innere Einkehr und High-

Tech zusammen ?

Die letzten Töne der „Ode an die Freude“ sind verklungen und hallen von nun an mit diesem Eindruck lebenslang nach.

Das ist für mich Antwort genug …

Überhebliche Menschenzwerge

Einen Grenzgang der besonderen Art erleben Volker und ich. Zu Hause studieren wir Bilder und Karten, immer und immer wieder. Ein entferntes Gletscherbecken in einem Seitental hat es uns angetan. Eine Tagestour soll uns zu Entdeckern des Unbekannten werden lassen. Nach einem halben Tagesmarsch stehen wir an unserer Grenze: Ein reißender Bach! Zu reißend, zu breit, unüberwindbar! Wer hätte das am grünen Tisch gedacht? Hektisch renne ich hin und her, es muss doch gehen. Es geht nicht – wir gehen nicht. Zwei kleine Menschenzwerge sitzen höhenbedingt schwer atmend verloren mitten im riesigen Himalaya und haben Zeit, über ihre Überheblichkeit und die grenzgebende Natur nachzudenken.

Ich bin Optimist: Eine Erfahrung mehr und schön, dass noch Träume bleiben …

Die türkisfarbene Seele der Götter

Nach einer empfindlich kalten Nacht mit über minus 20 Grad habe ich vor Sonnenaufgang meinen Rucksack geschnappt und bin allein losgezogen. Den Ruhe ausstrahlenden See entlangwandernd erkunde ich die Landschaft, entdecke für mich diese neue Welt, lasse mich treiben, weglos, zeitlos…

Nun stehe ich auf einem knapp 5900 Meter hohen Schuttberg auf der anderen Seite des Sees. Das Alleinsein schärft die Sinne und konzentriert den Kontakt zum Umfeld. Ich fühle mich eins mit dem Boden, dem Wasser, der Luft und den Bergen, auf deren Gipfeln die Götter wohnen sollen. Spätestens jetzt spüre ich wirklich, was der Lama meinte und die Auflösung des Geheimnisses des Tilicho Lakes ist fühlbar. Mein Blick schweift über den großen See hinüber zu einem mächtigen Gletscher. Scheinbar aus dem Himmel kommend wälzt sich dieser eine Tausend-Meter-Wand hinunter. Am See angekommen, „zerbröselt“ er in hausgroße Blöcke, um dann mit der „Seele der Götter“ zu verschmelzen. Türkisfarben strahlend scheint sie tatsächlich inmitten dieser archaischen Landschaft zu liegen.

Dies ist der für mich intensivste Moment unserer Tour und ich kann mich kaum losreißen!

In der Dämmerung bin ich wieder „zu Hause“ im Basislager bei meinen Freunden.

Sehnsucht nach neuen Zielen

Die Götter waren uns wohlgesonnen. Wir sind alle gesund, wohlbehalten und als Freunde zurückgekehrt. Unser Ziel, uns behutsam und mit Muße in einer der wildesten Landschaften unserer Erde zu bewegen, haben wir erreicht und sind um unschätzbare Erfahrungen und Erlebnisse reicher geworden. Den weiten Weg von einer Idee bis zur Realisierung erfolgreich gegangen zu sein, hat Mut gemacht und unsere Sehnsucht ist längst schon wieder geweckt. Das nächste Ziel steht fest und in ein paar Monaten machen wir uns wieder auf einen langen Weg …

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Besteigung des Imjatse (Island Peak), 6189 m

Über die Daunenjacke, die Befindlichkeit

und den Himalaya, der überall ist …

Gedanken und Gefühle bei der Besteigung des Imjatse (Island Peak),6189 m
von Ralf Brehl

 

Ich (Ralf Brehl) und Piet (im Vordergrund) am Gipfel des Island Peak 6189mIm Oktober des Jahres 1998 machte sich eine Gruppe von 7 Bergsteigern auf den langen Weg zu den Göttern des Himalaya. Ziel war ein über 5000 Meter hochgelegenes, einsames Tal in Nepal in der Nähe des Everest. Am Ende der selbstorganisierten, fast 6-wöchigen Tour, sollte auf dem Rückmarsch -sozusagen als Schmankerl- ein zweiter, leichter Sechstausender bestiegen werden. Hinter dem Basislager auf 5160 m Höhe lag der Imjatse (Island Peak), 6189 m, was folgte, war alles andere als der geplante „Spaziergang“. Die kräftezehrenden Wochen zuvor in den Hochlagern hatten Spuren hinterlassen und jeder Schritt, der 1029 zu über-windenden Höhenmeter, gab Gelegenheit, über die Zweifelhaftigkeit dieses Tuns nachzudenken …

Die Besteigung fängt schon am Vortag an – im Kopf und beim Packen: Abwägen, was ist unverzichtbar, kramen, wühlen, die Zahnbürste fliegt ´raus. Welche Kleidung: Zwei Hosen und Überhose oder Normalausführung ? Daunenjacke ? Ich schaue durch die klare Luft immer und immer wieder hoch. Ha ! – lächerliche 1000 Höhenmeter ! Aber immerhin 1000 am Stück, in dieser Höhe, nach den Strapazen bisher !

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Von Wegen über die Alpen..

Der lange Marsch vom Bodensee zum Gardasee

Text: Ralf Brehl

Verrückte Ideen und Fantasien hat jeder einmal. Die meisten landen im gedanklichen Papierkorb. Diese Idee aber nicht und so sollten die Alpen zu Fuß vom Bodensee zum Gardasee überquert werden. Daraus wurde eine neue Entdeckung des Gebirges vor unserer Haustür. Erlebnisreich, anstrengend und mit einem aufdringlichen Begleiter: dem Regen.

Über mir ist der Himmel azurblau und die sauberen weißen Wölkchen strahlen mit der Sonne um die Wette. Im provozierenden Gegensatz dazu hänge ich verschwitzt und dreckig in einem sofaähnlichen Stuhl vor einem Ristorante und schlecke ein Eis. Vor mir breitet sich ein kitschig schönes Postkartenbild des Gardasees aus und um mich herum gibt es noch viel schönere Menschen. Der rechte Ort der Muße also, um zum Beispiel Vorsätze zu fassen wie diesen: Nie wieder so eine verrückte Idee,wie eine Alpenüberquerung! Wenn ich zukünftig den grauen Alltag mit einem schillernden bergsteigerischen Farbklecks aufhellen möchte und eine faszinierende Idee habe, schreibe ich sie auf Papier, zerknülle es und ab in den Papierkorb.

„Signore, scusi, woher kommen Sie?“ Der Ober mit dem frisch gebügelten weißen Hemd schaut mich mit offensichtlich mühsam unterdrücktem Missfallen an, als erwarte er zur Antwort, unter welcher Brücke ich die letzte Nacht zugebracht hätte. „Lago di Constanza“ versuche ich mit gespielter Gelassenheit wie so nebenbei fallen zu lassen, als sei es das Selbstverständlichste der Welt. „Ähh, scusi…?“ Ich erhöhe den Ungläubigkeitsfaktor in seinen Augen: “Zu Fuß vom Bodensee, 400 Kilometer in 18 Tagen!“ Recht hat er ja mit seiner zweifelnden Verblüffung. Zu Fuß zum Gardasee? Um Erkenntnisse für Vorsätze zu gewinnen?

Mit dem Lineal über die Alpen

In meinem Arbeitszimmer fängt alles an. Seit Jahren hängt an der Wand ein Riesenposter, ein Panoramarelief des gesamten Alpenbogens. Ideengeber und Planungsskizze für unzählige Zielbestimmungen: Highlights in Berggruppen und diversen Gipfeln. Im Laufe der Jahre vervollständigt sich das Mosaik des Gebirges im Herzen Europas. Was fehlt, ist eine Zusammenfassung der Mosaiksteinchen, um ein Gesamtbild zu erhalten. Eine ganzheitliche Annäherung an die unterschiedlichen Landschaften, Regionen, Berge, Kulturen und Menschen. Das Alpenrelief fordert geradezu nach einer Überquerung und lässt mir trotz meiner Zweifel keine Chance. Aber wie? München – Venedig? Auf schon vorhandenen Fernwanderwegen? Ist in diversen Katalogen von Reiseveranstaltern enthalten und buchbar! Es fehlt der Reiz des Neuen. Dann ist es klar und die Linie logisch, wie mit einem Lineal gezogen: Vom Bodensee zum Gardasee, zu Fuß und auf zusammengestückelten Wanderwegen. Die neue Entdeckung des Gebirges zwischen den zwei großen Seen an seinen Rändern:

Acht Gebirgsgruppen, die vier Länder Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien, 400 Kilometer auf sieben Wanderkarten. Perfekt!

Große Überredungskünste bedarf es nicht und mein Freund Manfred ist als Partner dabei. Die langen Tage Ende Juli/Anfang August scheinen uns am besten geeignet – vermeintlich eine stabile Schönwetterzeit. Diese Einschätzung stellt sich nur in einem Punkt als zutreffend heraus: Stabil wird das Wetter, aber anders als wir hofften: Ergiebige Niederschlägen im gesamten Alpenraum erschweren unsere Tour.

Durch Schlamm und Kuhfladen

Folgerichtig geht es an einem verregneten Tag am Bodensee in Lindau los. Für den Fall, dass wir keine passende Hütte finden, haben wir in unsere Zwölfkilorucksäcke noch ein kleines Mini-Einpersonen-Zelt, Schlafsack und Matte hineingestopft. Motto: Entweder wird die Freundschaft vertieft oder es ist halt keine. Am ersten Tag haben wir schon unser erstes Erfolgserlebnis: Wir überqueren die deutsch-österreichische Grenze. Die folgenden drei Tage im Bregenzer Wald begleiten uns Nebel, Regen und die unvermeidlichen multinationalen Kühe mit ihrer Art des vertiefenden Wegebaus. In einer Soße aus schmierigem Lehm und Kuhfladen bewegen wir uns durch wald- und wiesenreiches Gelände. Unsere Schuhe und Hosen haben bald eine natürliche Imprägnierungsschicht. In der Stille des wabernden Nebels ist das Schmatzen der Schuhe im Schlamm oft stundenlang das einzige Geräusch. Wir pendeln uns so langsam ein auf täglich durchschnittlich 1500 Metern bergauf und 1500 bergab, 25 Kilometer Gehstrecke und 8 ¾ Stunden reine Gehzeit. „Wo wollt ihr denn hin?“ ist die oft gehörte Frage, die uns während der Tour begleiten soll und allmählich durch die Frage nach dem Woher abgelöst wird. Unsere Antwort ist oftmals der Schlüssel zum Herzen der Menschen und zu ihrer Hilfsbereitschaft. Ob aus Bewunderung oder Mitleid wissen wir nicht…

Bollwerke gegen Wanderer

Schnell lassen wir Damüls mit seinen vielen, im Sommer leer stehenden, Hotels hinter uns. Das sanft hügelige Landschaftsbild wird langsam „bergiger“, die intensive Almwirtschaft bleibt. In einem Tag geht`s quer durch`s Lechquellengebirge, hinunter nach Klösterle am Arlberg und schon sind wir in der Verwallgruppe. Die nördlichen Kalkalpen liegen nun hinter uns und wir bewegen uns fortan auf schieferigem Gneis. Das ständige Auf und Ab kostet Kraft. Warum überqueren wir nicht lieber den Himalaya, der im hoch“alpinen“ Bereich meist weniger als 100 Kilometer Breite misst und „bequeme“ Durchbruchtäler hat? Die Alpen dagegen sind auf unserer Wegstrecke über 200 Kilometer breit, mit Bergkämmen, die sich wie Bollwerke dem Wanderer entgegenstellen. Zudem spielt jetzt das Wetter Katz und Maus mit uns. Beginnt der Tag meist mit Sonnenschein, gibt es zum Nachmittag kräftige Erfrischungsduschen. Nach einigen engen und feuchten Zeltübernachtungen kriechen wir deshalb am fünften Tag bei Dauerregen zur Abwechslung in einer Alm unter. Unsere Antwort auf die Frage „Wo wollt ihr denn hin?“ hat einen reich gedeckten Tisch mit allerlei Leckereien und eine warme Dusche zur Folge. Danach sinken wir müde und dankbar in trockene Betten.

Kleines Essen – großer Preis

Weiter geht`s hinunter ins Paznauntal. In Galtür mit seinen neuen martialisch anmutenden Lawinenverbauungen stehen wir am Eingang zur Silvretta. Auf der Jamtalhütte erwartet uns genau das Gegenteil zu der gemütlichen Alm in der vergangenen Nacht. Eine „Hütte“ in über 2000 Meter Höhe mit Hotelcharakter, an deren Eingang uns zu unserer Überraschung ein himmelblauer Softeisautomat erwartet. Dankbar für das Dach über dem Kopf sind wir dennoch, können wir unser noch klatschnasses Zelt wieder eingepackt lassen. Der übliche nachmittägliche Dauerregen trägt sehr zu dieser pragmatischen Lösung bei.

Am nächsten Tag geht es hoch zum Futschöl-Pass auf 2768 Meter. Er ist weit und breit der einzige gletscherfreie Übergang in die Schweiz. Gehen, gehen, gehen, Kilometer um Kilometer „fressen“ wir in uns hinein. Eine Woche sind wir jetzt schon ununterbrochen unterwegs. Beine und Füße gehorchen automatisch. Spüren wir sie überhaupt noch? Manfreds Knie bringen sich schon mal mit warnenden Schmerzen in Erinnerung. Nach dem Pass geht es weit und lang hinunter ins Unterengadiner Inntal und wir machen unsere ersten Erfahrungen mit der teuren Schweiz. Ist es der heutige Nationalfeiertag oder sind es die hier üblichen Preise? Hungrig und durstig bestellen wir mittags in dem einzigen geöffneten Gasthof des kleinen schmucken Örtchens Ardez in froher Erwartung jeder einen großen Salatteller, eine große Graupensuppe und zwei große gespritzte Apfelsäfte. Wir bekommen tatsächlich einen großen Teller aber mit einem klitzekleinen Salat, der sich auf dem Tellermittelpunkt verliert und ein Spucknäpfchen Graupensüppchen. Danach bekommen wir aber wenigsten eine wirklich große Rechnung: 64 Franken (ca. 40 Euro). Als finanziellen Ausgleich landen wir am Abend – wieder wegen des Regens – in einem Kuhstall, in dem wir es uns „gemütlich“ machen.

Aufstieg, Abstieg, rauf und runter. Jeden Tag tut jetzt etwas anderes weh. Mal bildet sich aus unerfindlichen Gründen an einem Zeh urplötzlich eine Blase, mal drückt die Schulter, mal schmerzt tagelang ein Hacken und bei Manfred abwechselnd das linke oder rechte Knie. Die Landschaft entschädigt und die Schweiz verabschiedet sich kurz nach dem Ofenpass mit einem zauberhaften Blicken zurück ins Reich von Heidi. Wir erreichen das in Italien liegende Veltlin.

Italienisches Puzzle

Am mittlerweile 10.Tag müssen wir am oberhalb von Bormio liegenden Lago di San Giacomo einen Ruhetag einlegen und Manfred versucht, sein Knie zu besänftigen. Leider erfolglos. Nach gut 200 Kilometern trennen sich unsere Wege. Manfred macht sich per Bus und Bahn auf den Weg zurück zu unserem Auto in Lindau. Ich will trotzdem versuchen, den Gardasee zu erreichen und packe das Zelt und alles Überflüssige aus. Nun bin ich auf feste Übernachtungsmöglichkeiten angewiesen, aber deutlich schneller. Eine filmreife Abschiedsszene und nach der nächsten Biegung liegt nun die zweite Hälfte der Tour vor mir und ich bin allein. Als ob ich mir die Traurigkeit und den mitfühlenden Frust über Manfreds unfreiwillige Aufgabe aus dem Leib rennen will, spurte ich los. Ich bin erstaunt. Waren die zersiedelten Täler in Österreich fast ausschließlich vom Tourismus geprägt und die Orte in der Schweiz klein und fein, ändert sich das Gesicht der Dörfer in Italien abrupt. Kleine graue, schiefergedeckte Steinhäuser, und einfache, ärmliche Dorfstrukturen lassen auf den beschwerlichen Alltag der Bewohner schließen. Ziemlich erschöpft erreiche ich den nüchternen Ort Sondalo und finde in einem einfachen Gasthaus mein Nachtquartier.

Die folgenden Tage werden ein Puzzlespiel der Wegführung, wie so oft in Italien während der Tour. Beispiel: Die Ahnung einer Trampelspur zum Klohäuschen eines eingefallenen Bauernhauses entpuppt sich als der Einstieg zu „meinem“ Weg. Entgegen meiner Karte weder markiert, noch beschildert, geschweige denn begangen. Durch Gestrüpp behindert oder weglos bin ich darauf angewiesen, mich von meinen Intuitionen und Erfahrungen leiten zu lassen, um mein Ziel zu erreichen. Mehrmals gebe ich mich einfach den Zufall hin und vertraue meinem Glück, welches mich überraschenderweise auch nicht im Stich lässt.

Irrwege im Granit

Mein nächstes Ziel ist die wundersame Granitwelt der Adamellogruppe. Ich hatte schon viel gehört von diesen Bergen, die für deutsche Bergsteiger doch relativ unbekannt und weit entfernt sind. Ich bin gespannt. Doch auch hier macht mir die eigenwillige oder auch nicht vorhandene Wegführung einen Strich durch die Rechnung. Meine angespannte Motivation und mein Optimismus bekommen einen empfindlichen Dämpfer. An einem der wenigen Schönwettertage der Tour werde ich auf einen ungewollten Rundkurs geschickt. Der Tag beginnt am Rifugio Aviolo und endet zum Erstaunen der Wirtsleute für mich auch wieder dort. Mein nach der Karte geplanter Weg verliert sich nach anstrengenden 1000 Höhenmetern in einem Schotterbachbett im Nichts. Eine Alternative zu einem erhofften Passübergang entpuppt sich als Rundweg von und zur Hütte. Danach glaube ich meiner Karte nichts mehr und vergleiche sie zukünftig penibel mit den in den Hütten hängenden, meist zutreffenden, italienischen Karten.

So kann ich den nächsten Tag gehen und schauen ohne zu suchen. Natürliche Kletterwände an herrlich festem Gestein mit logischen Routen hinauf und fließende, stürzende Wasser herab aus den Gletscher- und Schneeregionen des Adamello- Zentralbereichs begleiten mich. Dazu eine Vielfalt an Pflanzen und Blumen – ein wahres Bergparadies.

Meditation im Regen

Ist das Wetter bisher schon bescheiden gewesen, so wird’s jetzt zunehmend wirklich kritisch. Die Berge verhüllen sich im Grau und der Himmel weint von nun an tagelang ununterbrochen. Ich stehe vor der Gewissensentscheidung: Abwettern oder ignorieren? Egal – ich will`s hinter mich bringen. Nicht der Weg ist jetzt das Ziel, sondern das Ziel selbst. Der Gardasee wartet und danach kann ich endlich die Beine hoch legen. Oben auf den fast 3000 Meter hohen Pässen liegt Neuschnee. Dank GoreTex bin ich erst nach zwei Stunden klatschnass – toll! Vorsichtig auf dem nassen Granit balancierend hoch, runter, hoch, runter. Alleine unterwegs sein, bedeutet jetzt erst recht: keinen Fehler machen, hochkonzentriertes Gehen ist angesagt! Zweifel bestimmen meine Gedanken: Ist bei dem Wetter der Gardasee noch zu erreichen? Regen, Graupel, Schnee. Am 16.Tag ändere ich meine Planung, verzichte auf weitere hohe Pässe und wähle zur Sicherheit eine Straße hinab ins nächste Tal und hinaus aus dem Hochgebirge des Adamello. Endloser Asphalt zieht sich von einem Staudamm dutzende von Kilometern kaum merklich 1000 Höhenmeter hinab. Der Regen trommelt ununterbrochen auf meine Regenkleidung, in die ich meditativ versinke und gehe und gehe und gehe …

In Bersone finde ich sehr beschwerlich ein Hotelzimmer, wo ich mich und alle meine Sachen endlich einmal trocknen kann. Ganz Italien ist im August in Urlaub, trotz Regen! So wie ich jetzt aussehe, würde ich mir allerdings auch keine Unterkunft mehr geben. Meine Hoffnung: Am Übergang zu den Gardaseebergen habe ich hier noch eine kleine Chance, die Tour fortsetzen zu können. Ängstliche Blicke zum Himmel. Ich brauche eigentlich nur noch zwei Tage, dann bin ich durch! Aber sintflutartige Regenfälle zwingen mir einen Tag Pause ab. Sollte ich so kurz vor dem Ziel scheitern?

Endlich am Gardasee

Am nächsten Morgen glaube ich an Wunder: Kaiserwetter! Der blankgeputzte Himmel strahlt mit der Sonne um die Wette. Los, los nur keine Zeit verlieren. Wie mit Siebenmeilenstiefeln eile ich durch die Landschaft und tauche ein in die lieblichen Gefilde der Gardaseeberge. Warme mediterrane Seidenluft und üppiges Grün empfangen mich. Die letzten 2000 Höhenmeter hinauf und 3000 Höhenmeter hinunter fliege ich. Keine Sekunde dieses schönen Wetters will ich ungenutzt lassen und entscheide mich für einen letzten Ein-Tages-Gewaltmarsch.

Nach insgesamt 18 Tagen erreiche ich total erschöpft endlich mein Ziel Riva und schicke das Plätschern des Gardasees durch mein Handy nach Hause. Schade, dass ich meine Freude nun nicht mit Manfred teilen kann. So muss ich allein den Vorsatz fassen: In Zukunft landen alle zweifelhaften berg- oder wandermäßigen Ideen sofort im Papierkorb!

Na ja, vielleicht doch nicht alle …

Für Statistiker:

400 Kilometer,
140 Stunden reine Gehzeit,
über 24.000 Meter
jeweils im Auf- und Abstieg,
16 Tourentage
(18 Tage gesamt, 2 Regentage),
Verschleiß von ein Paar Schuhen und
Verlust von 6 Kilogramm Körpergewicht

Durchschnittlich je Tourentag:

25 Kilometer,
8 ¾ Stunden Gehzeit,
1500 Meter jeweils im Auf- und Abstieg,
3 Liter Wasser, 2 Liter Apfelschorle und
? Liter Bier oder Rotwein


Zanskardurchquerung – auf Pilgertour im Himalaya

Auf Pilgertour im Himalaya

 

Es war im August 2006. Meine Freunde und ich waren wieder einmal unterwegs. Tiefhinein in den indischen Teil des Himalayas hatte es uns verschlagen, das alte Königreich Zanskar und seine vielen einsamen Klöster für uns zu entdecken. Drei Wochen auf Schusters Rappen in einem Land ohne Straßen und vollständig auf uns allein gestellt, zogen wir durch diese unberührte Gebirgslandschaft, so groß wie Südtirol mit nur knapp 8000 Einwohnern. Alles arme Bauern und ihre vielköpfigen Familien, die in der kurzen Vegeationszeit, die ihnen der achtmonatige Winter Zeit gibt, Kartoffeln, Erbsen und Gerste anbauen und ernten. Und das in einem im Sommer niederschlagslosen trockenen Klima zwischen den in den Himmel ragenden Bergen. Praktisch eine Hochgebirgswüste zwischen vier- und fünftausend Metern, in der es keine Bäume gibt und nur an den Stellen ein wenig karges Grün sprießt, wo die seltenen Bäche nutzbar gemacht werden können.

Dort also zogen wir durch´s Land und befanden uns quasi auf einer Pilgertour, in einer Art meditativen Versenkung ohne all´ die Dinge, die uns hier so unverzichtbar scheinen. Auf staubigen Pfaden und in dünner Höhenluft wandelten wir zwischen den Welten von einem Kloster zum Nächsten und ließen uns gefangen nehmen vom Zauber des tibetischen Buddhismus.

Genau dort entstand dieses Foto. Ein alter Mann, aus dessen zerfurchtem Gesicht zwei gütige Augen neugierig die seltenen Besucher beobachteten und in den Händen sein Halt und seine Zuversicht…

 

 

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