Tag Archives: Biwak

Ahrntalrunde (Südtirol)

Tag 1

Nach einer erstaunlich kurzen Fahrt (immerhin nur 8 1/2 Stunden von Berlin) trafen wir nun endlich in St.Jakob ein. Auf den letzten 150km hat sich der Himmel zunehmend bezogen und es setzte ein unangenehmer Sprühregen ein. So hatten wir natürlich keine Lust darauf, sofort loszulaufen und uns nasse Klamotten zu holen. Noch viel weniger da wir doch so überaus herzlich von Familie Lechner auf dem Voppichlhof empfangen wurden (siehe Bild, Begrüssungskarte auf dem Zimmer). Und so beschlossen wir noch eine Nacht in der gemütlichen Ferienwohnung zu verbringen. Nach einem urgemütlichen Abend mit unseren Gastgebern und deren Streichelzoo (siehe Bild, Ralf mit Kätzchen) hoffen wir nun endlich unseren wohlverdienten Schlaf zu finden. Für Morgen und die folgenden Tage verspricht der Wetterbericht eine deutliche Besserung. Aber da in den oberen Bereichen schon recht viel Schnee liegt, müssen wir unsere Tourenplanung von Tag zu Tag neu festlegen. Das verspricht also auf jeden Fall Interessant zu werden.

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Maerkische Schloessertour Tag 2

Die Nacht war kühl aber ruhig. Immerhin 0 Grad. Und so wartete ich morgens lieber noch bis die Sonne aufs Zelt schien. Sagte ich Sonne? Tatsache. Strahlender Sonnenschein versprach einen schönen Tag. Also Frühstücken, Zelt abbauen, packen und los. Recht schnell merkte ich aber, dass ich trotz Sonne doch nicht so richtig warm werden wollte. Schuld daran war der, teils in Böen, recht heftige Wind. Dieser sollte mir auch später noch hart zusetzen. Die letzten zwei Drittel des Weges hatte ich immer den Wind von vorn. Da wird man dann doch warm. Und so radelte ich drauf los. Gemütlich und mit vielen Photopausen. Die Landschaft und die Dörfer sind aber auch zu schön. Zum größten Teil auf Landstraßen aber auch auf Waldwegen führt der Radweg durch die Natur. Die Ausschilderung wechselte ständig zwischen sehr gut bis saumässig. Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, warum da einige Spezialisten stets davon ausgehen, dass die Radweg immer in dieselbe Richtung befahren werden. Kommt man aus der „falschen“ Richtung, sind Abbiegehinweise oft überhaupt nicht zu sehen. Wieder ein Grund mehr sich über das GPS zu freuen. Damit verpasste ich keinen Abzweig. Der kleine Weiher Rocher. Idyllisch. Lädt geradezu zum verweilen ein. Zwei sehr schöne Ferienhäuser, Pferdekoppeln und Fluss. Einfach nur schön. Aber zu früh für eine Pause. Einige Photos gönne ich mir doch. Nächster Halt, Schloss Kossenblatt. Viel zu sehen gibt es hier nicht. Der ehemalige Landsitz des Alten Fritz beherbergt Heute ein Servicezentrum (wofür auch immer?) und ist nur unter der Woche zugänglich. Immerhin entnehme ich mühsam und unter einiger Augenanstrengung dem durchsichtigen!? Infoschild, das der Alte Fritz hier seine naiven Grenadierbilder gemalt hat. Naja. Also weiter. Dorf für Dorf passiere ich. Zwischen Georgshöhe und Gross Rietz mache ich dann eine Rast. direkt an einem Wildgehege mit Rehen. Schöne Aussicht. Über Sauen nun nach Drahendorf. Beides wirklich schöne Orte. Dann treffe ich bei der Kersdorfer Schleuse auf den Weg den ich Gestern gefahren bin. Die Tour hat die Form einer 8. Und den unteren Kreis habe ich jetzt geschlossen. Bis Briesen fahre ich nun auf bekannten Wegen. Kurz hinter Briesen liegt mein Ziel. Ein Zeltplatz am Petersdorfer See. So sagt meine digitale Karte von Garmin und die Kompass Karte. die Realität sagt was anderes! Statt eines Campingplatzes treffe ich auch eine Kreuzung aus Kleingartenanlage und Wohnwagen abstell- und einbauplatz. Bei einer fröhlich feiernden Gesellschaft mache ich dann Halt und frage. „Tja den Campingplatz gibt es seit 1990 nicht mehr.“ Suuuper! Immerhin kann ich mir hier meinen Wassersack füllen. Der nette Herr ahnt meine .Absichten und bittet mich doch etwas weiter entfernt zu zelten. Da der Vorsitzende das gar nicht gern hätte. Ich beruhige ihn. Tatsächlich wollte ich noch drei vier km weiter bis ans Ende des Sees fahren. Da sieht es auf der Karte recht ruhig aus. Also nochmal rauf aufs Rad und wieder los zur Biwak suche. Nach etwa drei km parallel zum See sehe ich mir alle Wege an, die Richtung See führen. Auf irgendwas warte ich aber. Und dann zieht es mich doch nach links. Ich fahre einen engen Weg mit Trekkerspuren entlang und komme zum See. Toll! Perfekt! Der Weg erweist sich als Sackgasse an deren Ende ein Bootssteg mit einem kleinen Fischerkahn liegt. Sonnenbeschienen und mit reichlich Platz fürs Zelt und definitiv ruhig. Weder Menschen noch Gebäude sind zu sehen. Wieder den richtigen Riecher gehabt. Same Procedure as Every Day. Zelt aufbauen und faulenzen. in der prallen Sonne. Es ist erst drei. Also habe ich noch einen langen Nachmittag vor mir. Ich nutze die Zeit und justiere die Gangschaltung. Die hat auf den letzten km recht merkwürdige Geräusche gemacht. Ist aber schnell erledigt. Und so räkele ich mich bald vor dem Zelt. Heute gibt’s Schinkennudeln. Natürlich aus der Tüte. Aber immerhin. Mal sehen wie kalt es Heute Nacht wird.Fortsetzung folgt……..

Das „dreckige Dutzend“ – auf Hochtour an der Monte Rosa

Text: Dirk Neuheisel

Da saßen wir nun in Randa auf dem Zeltplatz und waren auf der Suche nach etwas kühlendem Schatten. Die Hitze (30° C) lähmte alle Aktivitäten. Selbst das Packen der Rucksäcke wurde bis kurz vor das Einnachten verschoben. Derweil bestimmten Fragen wie Wetter? Nullgradgrenze? Biwak? Gewitter? Unser träges Denken.
Von der Vorfreude auf die nächsten Tage getrieben, rödelten wir unsere Ausrüstung dann doch noch in der prallen Sonne zusammen. Ergebnis: Rucksäcke 15 – 18kg schwer. Somit stand unserem Vorhaben 4.000er zu sammeln nichts mehr im Weg.
Eine unruhige Nacht folgte, dann durften wir endlich loslaufen. Nach dem üblichen „Schaulaufen“ durch Zermatt lenkten wir unsere Schritte in Richtung Gandegghütte (3.029 m). 5½ h und 1.600 hm später erlaubten wir uns nach diesem „Eingehtag“ ein dickes Stück Schokoladenkuchen.
Endlich Eis!!! Am nächsten Tag zogen wir unsere Steigeisen an. Welch ein beruhigendes, knirschendes Geräusch, wenn sich die Zacken ins Eis graben. Wir genossen es … bis wir zum Sommerskigebiet am Theodulpass kamen! Dort war Ski-Training angesagt – und wir drei Bergsteiger inmitten dieser Vollgasrowdys. Wir fanden einen Weg durch die Menschenmengen auf Ski und erreichten in der Mittagshitze das Breithornplateau (3.831 m). Dort kam uns die Perlenschnur der Bergsteiger entgegen, die von Zermatt aus mit der Seilbahn bis hier oben gefahren waren. Wir überstanden die letzten 350 Hm doch noch mit dem guten Gewissen nicht gemogelt, sondern das Breithorn (4.135 m) by fair means bestiegen zu haben. Am Gipfel waren wir infolge der späten Stunde alleine. Nicht ganz … das alltägliche Nachmittagsgewitter saß uns schon im Nacken. So, das war dann mal die Nr. 1!
Leichter Schneefall, Wind, Hitze und aufgeweichter knietiefer Schnee begleiteten uns auf dem Weg zum Bivacco Rossi Volante (3.750 m). Ein Platz mit herrlicher Aussicht, auf einer Felsnase ca. 150 m über dem Gletscher schwebend. Brauchbarer Schnee zum schmelzen konnte nach 5 min. kurzweiliger Kletterei erreicht werden („Don’t eat yellow snow!“).
Die Vorteile einer voll belegten Biwakschachtel liegen auf der Hand: Es wird nie langweilig, weil immer irgendetwas fehlt und unbedingt gesucht werden muss, und: bedingt durch die eher kleinen Ausmaße einer derartigen Unterkunft, wird es mit Sicherheit nicht kalt.
Nach einer erstaunlicherweise durchgeschlafenen Nacht stand der Pollux (4.090 m) auf dem Plan. Eine Kletterei bis zum III. Grad und abschließenden Firngrat bis zum Gipfel. So … Nr. 2 auch in der Tasche.
Der Abstieg gestaltete sich dann als „haarsträubende“ Angelegenheit. Mittlerweile hatte sich die Luft dermaßen elektrisch aufgeladen, dass wir den gesamten Grat entlang von Surren und Summen begleitet wurden. Ein Abstieg an einem gigantischen Blitzableiter! Einen Teil des folgenden Gewitters durften wir dann doch noch auskosten. Bei Schneefall, Regen, Wind und Sicht unter 20 m erreichten das Rifugio Guided’Ayas (3.300 m).
Der Castor (4.220 m), war unser nächstes Ziel.
Bei eher unentschiedenem Wetter stiegen wir in die Westflanke ein. Nach luftiger Überwindung des Bergschrundes folgte eine Steilstufe mit Blankeis, welche auf den sehr ausgesetzten Gipfelgrat leitete. So balancierten wir auf dem etwa einen Fuß breiten Firn-First dem höchsten Punkt entgegen. Gipfelfoto und kurze Rast, dann trieb uns der Wind von unserem 3. 4.000er hinunter.
Beim abendlichen Regenerieren mit Pasta und Rotwein auf dem Rifugio Quentino Sella (3.585 m) erfuhren wir durch aufgeschnappte englische und italienische Sprachfetzen von „längeren Passagen mit Blankeis“, „nur mit Eisschrauben sicherbar“ und „tiefem Schnee ab Mittag“ von den Verhältnissen am Lykamm. Nach kurzer Überlegung kamen wir zu der Entscheidung, dass eine Überschreitung des Lyskamms bei diesen Verhältnissen für uns weniger in Betracht kam.
Da der Wetterbericht für den nächsten Tag sehr unbestimmt war, wollten wir wenigstens den Westgipfel des Lyskamms wagen. Die Nacht war klar, aber nicht kalt und ermöglichte einen Blick auf die Lichter von Mailand. Gigantisch!
Nach einer kurzen „Wetterschau“ um 5.00 Uhr morgens entschieden wir uns dazu einen Ruhetag einzulegen. Einige geführte Seilschaften brachen trotzdem in Richtung Castor auf. Nach 3 h waren alle wieder auf der Hütte. Wie sagte einmal ein schweizer Bergführer auf die Frage wie das Wetter wird: „Wennd’st das Wetter nicht kennst, brauchst nicht in die Berg zu gehen!“ Soviel dazu…!
Um unsere „Spaghetti-Runde“ zu vollenden mussten wir nun über den Passo del Naso (4.150 m) zum Balmenhorn (4.167 m) gehen. Uns schlossen sich zwei Slowenen an. Nach dem Schneefall vom Vortag durften wir unsere eigene Spur legen (YIEPPEIH!! J J). Vor dem Passo lag ein Firnhang mit 40°-45° Neigung. Genussvolles, wenn auch ermüdendes Spuren. Der Kommentar von Volker zu Tina über Dirks D-Zug Tempo: „Der Hund spurt und ist immer noch schneller als ich!“
Nach dem Passo stellte sich die Frage: Und wie runter? Dirk liebäugelte schon mit einer zerschrundenen Steileis-Flanke mit blanken Stellen. Tina, Volker und die Slowenen mit einem bezeichneten Abstieg über eine Schuttrippe. Letzteres war eine gute Wahl! Nun noch zum Bivacco Giordano auf dem Balmenhorn. Das war denn der 4. auf unserer Liste.
Das Bivacco war schon voll L! Nach Absprachen mit Händen und Füßen einigte man sich, dass wir und die Slowenen auf dem Fußboden schlafen werden. Es kam wie es kommen musste: Bei einer 11er Belegung in einer 6er Biwakschachtel war dort bald Saunatemperatur erreicht. Im Laufe der Nacht stießen noch zwei Italiener zu uns. Nach einer Pasta-Mahlzeit entledigten sich beide dieser wieder. Ein Beispiel von Überanstrengung, Dehydrierung und mangelnder Akklimatisation. Nach einer unruhigen Nacht mit mehreren lautstarken Störungen durch die beiden „Nachzügler“, zogen wir gegen 5.00 Uhr los um den Sonnenaufgang auf der Vincentpyramide (4.215 m) zu erleben. Nr. 5 abgehakt! Sonnenaufgang auf dem Gipfel! Ein Traum!
Nach einem kleinen Frühstück mit frischen Äpfeln, welche uns die Slowenen als Dankeschön für unsere Spurarbeit gegeben haben, fröhnten wir wieder dem munteren 4.000er sammeln. Den Roccia Nera ließen wir rechts liegen, es folgten aber Ludwigshöhe (4.272 m), Parrotspitze (4.436 m) und die Signalkuppe (4.554 m). Das waren dann Nr. 6, Nr. 7 und Nr.8. Auf der Signalkuppe steht die höchste Hütte der Alpen, die Cabane Margherita. Ein sehr schöner, gut ausgestatteter 3stöckiger Holzbau mit Toiletten auf dem Gang!
Morgens 5.00 Uhr: 20 m Sicht, Sturm, aber +2°C. Wir zogen alles an, was wir dabei hatten, da es durch den starken Wind sehr kalt war. Die Zumsteinspitze (4.580 m) war bald erreicht, die Nr. 9. Die Sicht besserte sich ein wenig, der Wind blieb. Der Weiterweg führte über einen messerscharfen Firngrat und kombiniertes IIer Gelände in den Grenzsattel (4.452 m).
Hier zeichnete sich die Wächtenabbruchkante als feiner Riss ab. Eine Erinnerung zur Wachsamkeit!
Eine italienische Seilschaft kehrte hier mit den Worten um: „Zu kalt…“ (der Bergführer stellte nach einem fachmännischen Blick auf sein Thermometer angebliche – 13°C fest!).
Der letzte Anstieg zur Dofour-Spitze weist sowohl mehrere Stellen um den III. Grad auf, als auch kombiniertes Gelände. Genau das richtige für uns! Nebenbei nahmen wir noch den Grenzgipfel (4.615 m) und den Ostgradgipfel (4.640 m) als Nr. 10 und Nr. 11 in unsere Sammlung mit auf. Nach weiteren sehr luftigen Hangelkanten und Balanceakten erreichten wir endlich das Ziel unserer Spaghetti-Runde, unsere Nr. 12, die Dofourspitze (4.656 m), zweithöchster Gipfel der Alpen.
Als Abstieg nahmen wir die neu angebrachten Fixseile in den Silbersattel hinunter zur Hilfe. Ein wenig Eisschlag begleitete uns.
Die Option für das Nordend nahmen wir wegen des Windes und der doch vorangeschrittenen Zeit nicht wahr, denn vor uns lag noch der weite Abstieg zur Monte Rosa Hütte durch immer tiefer werdenden Schnee. Zum Glück hielten alle Schneebrücken über den gigantischen Spalten.
Müde aber überaus zufrieden an der Hütte angekommen genossen wir die letzten wärmenden Sonnenstrahlen.

D. Neuheisel / M. Vögele

 

Nachtrag 09.11.2017:

Im " Bergzeit Magazin " ist gerade ein toller Artikel über diese Tour erschienen, welcher noch viel mehr Infos und Bilder enthält. Vor allem wird hier auf die aktuellen Bedingungen, welche sich ja in den letzten Jahren doch sehr geändert haben, eingegangen.

Teil I ist hier zu finden:

Spaghettirunde Teil I: Über Breithorn, Pollux und Castor zum Rifugio Quintino Sella