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Fallbeschreibungen

Manfred Birreck                                          HÖHENTREKKING                         Seite 16

 Fallbeschreibungen:

        Akute Höhenkrankheit

 Ein 24jähriger Trekker fliegt in den Himalaya (Nepal) in eine Höhe von 2800 m und wandert anschließend zu einem Dorf in der gleichen Höhenlage. In der darauffolgenden Nacht schläft er schlecht, erwacht häufig und hat am nächsten Morgen starke Kopfschmerzen, die innerhalb einer Stunde verschwinden. Beim Frühstück hat er kaum Appetit. Nach dem Abmarsch stellt er fest, dass er nicht so leistungsfähig ist wie sonst, besonders bergauf hat er Probleme. Sein Ziel ist ein 600 m höher liegendes Dorf in 3440 m Höhe. Während des Anstiegs kehren die Kopfschmerzen zurück, es wird ihm übel. Im Dorf angekommen will er nur noch ins Bett, kein Abendessen. Er trinkt nur, wenn man es ihm sagt. Am nächsten Tag hat er immer noch Kopfschmerzen, allerdings etwas weniger. Appetit und Leistungsfähigkeit bleiben im Verlauf des Tages eingeschränkt. Die meiste Zeit verbringt er im Hotel. Nach einer zweiten Nacht in 344 0 m Höhe normalisiert sich sein Zustand. Sein Begleiter und er entscheiden sich für eine dritte Nacht im Dorf, um sich besser zu akklimatisieren. Der Rest der Tour, die ihn in sechs Tagen bis in eine Höhe von 5543 m führt, verläuft unproblematisch.

       Höhenhirnödem

 Ein 4 0jähriger Trekker fliegt in eine Höhe von 2800 m und steigt innerhalb der folgenden drei Tage bis auf 3900 m auf. Am Ende des dritten Tages melden sich Kopfschmerzen und Übelkeit Er geht ohne Abendessen ins Bett. Am nächsten Morgen fühlt er sich etwas besser, obwohl er immer noch dumpfe Kopfschmerzen verspürt. Nach dem Frühstück steigt er langsam zum nächsten Dorf in 4300 m Höhe auf. Er kommt dort erst spät an und geht wieder ohne Abendessen ins Bett. Nach einer unruhigen Nacht erwacht er mit Übelkeit und Kopfschmerzen. Trotz Warnungen besteht er auf der Einhaltung seines Reiseplanes. Für den Anstieg zum nächsten Dorf in 4700 m Höhe braucht er trotz eines Trägers, der sein Gepäck übernimmt, den ganzen Tag. In der folgenden Nacht muss er sich übergeben und ist unsicher auf den Beinen. Am nächsten Morgen hat der Träger Schwierigkeiten, ihn zu wecken, er bleibt schläfrig und hat Probleme beim Stehen. Zu müde, um zu widersprechen, wird er in den nächsten sechs Stunden bis 3200 m zum nächsten Arzt hinunter transportiert. Dort bessert sich sein Bewusstseinszustand deutlich, aber es zeigt sich nach wie vor eine ausgeprägte Gangataxie. Hinweise auf ein Lungenödem ergeben sich nicht. Der Arzt verordnet ihm Dexamethason und legt ihn für zwei Stunden in eine hyperbare Kammer, woraufhin sich sein Zustand weiter deutlich bessert. Nach einer normalen Nacht kann er mit Unterstützung noch tiefer absteigen. Zwei Tage später fliegt er ins Flachland, wo er sich völlig erholt. Die Ataxie der Beine verschwindet endgültig nach zwei weiteren Tagen.

       Höhenlungenödem

 Ein 22jähriger nepalesischer Soldat, der auf dem Weg zu einem neuen Standort ist, fliegt von r3oo m in eine Höhe von 28oo m und wandert innerhalb eines Tages zu seiner Kaserne in 3440 m Höhe. Am Abend bekommt er Kopfschmerzen und hat Schwierigkeiten einzuschlafen. Am nächsten Morgen verschlimmern sich die Kopfschmerzen, er hat keinen Appetit und leidet schon bei minimaler Anstrengung unter Kurzatmigkeit. Sein Zustand verschlechtert sich während des restlichen Tages bis hin zur Ruhedyspnoe am Abend. Daraufhin wird er zu einem Arzt gebracht. Er ist zyanotisch, seine Atemfrequenz beträgt 4 8 Züge/min, und er weist Rasselgeräusche über beiden Lungenflügeln auf. Die arterielle Sauerstoffsättigung, gemessen mit Hilfe eines Pulsoximeters, liegt bei nur 40%. Er erhält Nifedipin und wird in ein Dorf in 28oo m Höhe getragen. Am Morgen hat sich sein Zustand wieder deutlich verbessert, seine Atemfrequenz liegt bei 2o Zügen/min in Ruhe. Zwei Tage später geht es ihm so gut, dass er langsam wieder zu seinem Standort in 3440 m aufsteigen kann. Er erhält den Hinweis, in Zukunft langsamer aufzusteigen.

 Aus:     Pollard/Murdoch, Praktische Berg und Trekkingmedizin:

             Ullstein Medical , Wiesbaden, 1998

 

 
 
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