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Zum Thema Diamox

Manfred Birreck            HÖHENTREKKING            Seite 19

Zum Thema DIAMOX:

Unter Trekkern und Höhenbergsteigern ist die Ansicht verbreitet, dass das Medikament "Diamox" ein geeignetes Mittel zur Vermeidung der Höhenkrankheit sei. Der Wirkstoff des Diamox, das Acetazolamid, ist in der Medizin als Diuretikum (harntreibendes Mittel) lange bekannt. Acetazolamid hemmt das Enzym Carboanhydrase, das in den Nieren die Reabsorbtion von Hydrogencarbonat (CH03 ) und die Ausscheidung von Wasserstoffionen (H+) aufrecht erhält. Durch die Zurückhaltung der H + Ionen erhöht es den Säurespiegel des Blutes und regt damit die Atmung an (s. o.). Insofern unterstützt Diamox den Prozess der Höhenanpassung und kann den Krankheitsverlauf der AMS mildern und verkürzen. Diamox beseitigt also nicht Symptome, sondern wirkt kausal.

Sind Symptome der Akuten Höhenkrankheit (AMS) vorhanden, so darf auch unter Diamox- Behandlung nicht weiter aufgestiegen werden. Tritt Beschwerdefreiheit ein, so kann Diamox ohne Rückfallgefahr abgesetzt und der Aufstieg unter Beachtung der üblichen aufstiegstaktischen Regeln fortgesetzt werden.

Auf das Höhen‑Lungenödem (HAPE) hat Diamox wahrscheinlich keinen Einfluss.

Diamox weist Nebenwirkungen auf. Manche Personen vertragen es überhaupt nicht. Meistens tritt (erwünschter) verstärkter Harndrang auf, oft auch Sensibilitätsstörungen (Taubheit oder Kribbeln der Haut, Geschmacksveränderungen). Diamox ist schwefelhaltig und darf bei Sulfonamidallergie nicht genommen werden. Die Auswirkungen einer längerfristigen, Einnahme sind bisher nicht hinreichend untersucht.

Bei amerikanischen Trekkinggruppen und Bergsteigern ist die prophylaktische Einnahme von Diamox zur Vorbeugung einer Höhenkrankheit durchaus üblich. Die europäische Medizin ist hier konservativer eingestellt und lehnt überwiegend eine medizinisch nicht notwendige Einnahme ab. Unter Bergsteigern gilt die Einnahme von Diamox für eine schnellere Höhenanpassung vielfach ebenso als "Doping", wie der Vorstoß in größte Höhen mit Hilfe von Flaschensauerstoff.

(Aus: Berghold/Schaffert und Pollard/Murdoch)

DEXAMETHASON (Fortecortin)            bei HACE

Künstliches Kortisonpräparat. Es wirkt stark abschwellend und wird zur Senkung des Hirnwasserdrucks bei Höhen-Hirnödem (HACE) eingenommen, in schweren Fällen oder Bewusstlosigkeit auch intravenös injiziert. Nachhaltige Heilung erfolgt jedoch nur durch anschließenden schnellen Abstieg/Abtransport.

Eine prophylaktische Wirkung ist nicht nachgewiesen. Wegen möglicher Nebenwirkungen wird eine prophylaktische Einnahme allgemein abgelehnt. Bei HAPE ist Dexamethason unwirksam.

NIFEDIPIN (Adalat)            bei HAPE

ist als Medikament bei Herzerkrankungen bekannt. Es senkt den Druck in den Lungenarterien und verbessert die Sauerstoffaufnahme des Bluts in der Lunge. Als Notfallmedikament bei akutem Höhen-Lungenödem wirkt es schnell und zuverlässig. Nachhaltige Heilung jedoch nur durch anschließenden Abstieg/Abtransport.

Bergsteiger mit bekannter Anfälligkeit für Lungenödeme können Nifedipin prophylaktisch nehmen (ab 24 Stunden vor einem Aufstieg bis zur Rückkehr 3 x 20 mg täglich).Bei AMS und HACE ist Nifedipin unwirksam.

 

 
 
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