Mammutmarsch 2016 – (m)ein Resümee

58,8 km in 12:47 h

Immerhin!

Dann wurde der Lauf durch den Veranstalter abgebrochen. In Anbetracht der Umstände, dass es vor allem an Streckenposten 2 bei 44 km zu vielen medizinischen Zwischenfällen und einem massiven Einsatz von Rettungskräften kam, eine richtige und verständliche Entscheidung.

Ich selbst habe dies nur zu gut bei meiner, leider viel zu langen (etwa 1 1/2 h) Pause dort mit Schrecken sehen können. Auch an SP 3, wo ich vom Abbruch und Ende erfuhr, kollabierten viele Leute und der Rettungsdienst hatte alle Hände voll zu tun.

Für mich war inzwischen auch schon so gut wie sicher, dass ich die 100 km nicht erreichen würde. Ich hatte mir an beiden Füßen üble Blasen gelaufen. Sehr schmerzhaft. Aber nicht gefährlich. Nur sah ich keinen Grund, aus purem Ehrgeiz meine Füße zu zerfleischen. Muss und will ja am Dienstag wieder auf Arbeit einsatzfähig sein. Bis zum SP 4 bei 73 km wollte ich aber schon gehen. Körperlich und konditionell war das noch gut drin. Auch wenn mir die Haxen schon ordentlich weh taten.

Resümee für mich:

  • der Versuch an, SP 2 was warmes zu essen, war wenig sinnvoll. Wasser kochen auf dem kleinen Esbit Kochset funktionierte zwar prima. Aber der Gedanke, ich könnte das von mir eh schon gehasste Tüten-Expeditionsessen unter den Bedingungen herunter bekommen, war absurd.
  • viel besser hätte ich mir eine Brühe oder Tee kochen sollen
  • Ich bin die Strecke viel zu schnell angegangen. Ein Kilometer-Schnitt von knapp über 10 Minuten auf den ersten 40 km war nicht besonders clever. Zwar hatte ich an km 58 immer noch genug Kondition zum weitergehen, aber von flottem, gemütlichen Wandern konnte eher nicht mehr die Rede sein.
  • Der größte Fehler war aber, mir nur kurz vor dem Lauf neue Schuhe zu kaufen und mit diesen, nur ungenügend eingelaufen, zu starten. Der klassische Anfängerfehler!!! Selten dämlich…
    Mit meinen gut eingelaufenen aber deutlich schwereren Bergschuhen wäre ich dennoch besser beraten gewesen.
    Viele der Military-Typen sind auch mit schwerem Schuhwerk gelaufen und bis zum Ende gegangen.
    Zumindest hätte ich gefährdete Stellen VORHER mit Compeed oder Pflaster abkleben sollen.
  • Meine Kleidung war sehr gut ausgesucht und hat sich auch bei dem sehr kühlen und vor allem windigen Wetter bestens bewährt. Lediglich an Sp 2 hätte ich die warme Unterziehhose gleich zu Beginn der Pause und nicht erst kurz vorm Losgehen anziehen sollen.
  • Beim nächsten Lauf dieser Art werde ich eher auf Nüsse bzw. meine bewährte Nuss/Frucht Mischung und reichlich fett- und salzhaltige Kaminwurzen setzen. Warmes Essen ist da fehl am Platze, es sei denn, es gibt vor Ort ne warme Suppe o.ä. und ich bekomme die auch runter.

Alles in allem war es aber für mich eine sehr aufregende und lehrreiche Erfahrung. Auch über mich selbst. Auch wenn es mir mitunter etwas auf die Nerven ging, so war eben die tolle positive Stimmung auf der strecke ein tolles Erlebnis. Viele hatten eine Menge Spaß und das war es worauf es auch ankam.

In mir hat es jedenfalls die Lust auf ein nächstes Mal geweckt. Ob es der Mammutmarsch 2017 oder ein anderer 100 km Marsch sein wird steht noch nicht fest. Aber ich werde definitiv wieder über eine solche Distanz an den Start gehen.

„Heute ist nicht alle Tage.. Ich komm wieder! Keine Frage.“

Hier eine Zusammenfassung der Aufzeichnung meiner Polar V800 Sportuhr als nette Animation.

Und hier der GPS Track den ich mit meinem winzigen Foretrex 401 aufgezeichnet habe:

Höhenprofil
GPS Daten meiner Strecke zum Download

Zur Kritik an den Veranstaltern:

Ich möchte mich nicht den hunderten mehr oder weniger reflektierten Beiträgen auf der Mammutmarsch Facebook Seite anschließen. Aber das eine oder andere brennt mir doch auf den Nägeln.

  • Auch ich bin der Meeinung, dass die Ausschreibung doch zu euphemistisch und schönklingend gehalten war. Die quasi Versicherung, dass jeder „normalsportliche“ die 100 km schaffen könne, konnte eigentlich nur dazu führen, dass sich viel zu viele anmelden die der Aufgabe physisch und psychisch (der Kopf macht mindestens 70 % aus) nicht einmal ansatzweise gewachsen sind.
  • auch wenn von vornherein kein „Full Catering Service“ angekündigt war, so halte ich es vor allem in Anbetracht des sehr kühlen und windigen Wetters für mehr als unverständlich, dass es so gar keine warmen Getränke gab. Weder Tee noch heißes Wasser.
  • kaum überdachte Fläche an den Streckenposten um die rastenden vor Regen zu schützen
  • kaum Möglichkeiten um sich aufzuwärmen (ja auch ich bin der Meinung das man sich gefälligst der Witterung entsprechend zu kleiden hat!! Aber..)
  • Der Kritik vieler das die Streckenposten zu weit auseinander gewesen wären und somit zu wenig zu trinken und zu essen verfügbar gewesen wäre, kann ich mich so gar nicht anschließen. Von Anfang an wurde jeder darauf hingewiesen, dass er sich auch und vor allem selbst um den Hauptteil der Verpflegung kümmern muss. Mit meinem 3 Liter Trinksystem, welches ich je nach Etappenlänge mehr oder weniger auffüllte, hatte ich immer genug zu trinken griffbereit. Viele turnten aber mit maximal 1 Liter los und waren dann überrascht das dies nicht reichte.
    Schon auf der Bahnfahrt nach Erkner konnten wir einem Gespräch zweier Starter folgen in dem sie sowohl den Startablauf, den Verlauf der Strecke als auch die Etappendistanzen völlig falsch erörterten. Das ließ nur den Schluss zu, dass sie sich schlicht und ergreifend nicht informiert hatten. Und das, obwohl alle nötigen Infos in den Mails der Veranstalter enthalten waren. Und abgesehen davon, macht für mich eben diese anspruchsvolle Etappeneinteilung den Reiz aus.
  • Viel schlimmer finde ich da, dass sich ganz offensichtlich viele angemeldet haben, die der Strecke nicht einmal im mindesten gewachsen waren. Da zu viele von ihnen versuchten noch SP 2 zu erreichen und sich dabei zu sehr verausgabten, kam es dann zu dieser hohen Zahl an Zwischenfällen. Unterwegs gab es reichlich Möglichkeit mithilfe von Öffentlichen Verkehrsmitteln auszusteigen. Aber, und das unterstelle ich jetzt mal ganz bewusst, da viele unbedingt die Urkunde haben bzw. nicht „auf offener Strecke“ aussteigen wollten, musste ja, auf Biegen und Brechen, ein Streckenposten erreicht werden. Da war es dann wieder verhängnisvoll, dass zwischen SP 1 und SP 2 immerhin 28 km lagen und man dort erst mitten in der Nacht ankam.

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