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Zugspitze über den Höllentalsteig – Harry’s letzter Klettersteig!?

Harry im Bergsteiger Ornat

Harry im Bergsteiger Ornat

Vor mehr als drei Jahren fragte mich mein Geocaching Freund HarryBarry, ob ich ihm helfen könne den Zugspitze-Timberline Cache am Höllentalklettersteig zu suchen.

Natürlich wusste ich, dass Harry praktisch keine Bergerfahrung besaß aber dafür ein ambitionierter und sehr erfahrener T5 Cacher und Baumkletterer ist. Im Umgang mit Seil und Klettergeraffel sehr erfahren, sicherheitsbewusst und fit. Trotzdem er nicht mehr so ganz jung ist.

Also überlegte ich nur kurz und versprach ihm in die Hand, dass wir die Sache angehen und packen würden.

Harry und Tina am Gipfelkreuz der Zugspitze

Harry und Tina am Gipfelkreuz der Zugspitze

Im letzten Jahr sollte es dann soweit sein. Zusammen mit Tina reiste ich aus den Berchtesgadener Alpen (nach meiner Watzmann Überschreitung und einigen anderen netten Touren) ins Wettersteingebirge um uns dort mit Harry zu treffen.

Leider verspracch der Wetterbereicht nichts gute sondern kündigte für die nächsten zwei Tage Gewitter ab dem frühen Nachmittag an. Mit einem Anfänger auf eine so lange Tour (noch dazu wo der Aufstieg durch die geschlossene Höllentalangerhütte deutlich länger und anstrengender wurde) zu gehen wäre schlichtweg sträflicher Leichtsinn und Dummheit gewesen. Also gaben wir Harry die Gelegenheit sich an der Alpspitzferrata zu bewähren und brachten ihm dort alles nötige bei was man braucht um sicher auf Klettersteigen unterwegs zu sein. Und er machte seine Sache richtig gut!

Nachdem nun ein großes Unwetter durchgezogen war (die Bahnstrecke nach Ehrwald wurde komplett lahmgelegt) und eine Wetterbesserung in Sicht war, entschieden wir uns dazu das ganze von Norden anzugehen. Über den Stöpselzieher, von Ehrwald aus.

Das wurde dann auch eine großartige Tour und wir drei erreichten zusammen den Gipfel der Zugspitze.

Harry und ich auf der Leiterbrücke im Mindelheimer Klettersteig

Harry und ich auf der Leiterbrücke im Mindelheimer Klettersteig

Auch dieses mal machte Harry wieder eine gute Figur und ich lud ihn spontan ein mit mir im September den Mindelheimer Klettersteig in den Allgäuer Alpen zu begehen.

Und spätestens nachdem er auch diese Tour bravourös gemeistert hatte, war ich mir sicher, dass er auch den Höllentalklettersteig schaffen würde.

Einzig die Tatsache, dass Harry noch nie auf Steigeisen gestanden hatte und dies für die sichere Überquerung des Höllentalferners aber nötig ist, machte mir etwas Sorgen. Also musste Harry mit dicken Botten und Steigeisen an diesen einen Hang im Kreuzberger Viktoriapark auf und ab stapfen, um zumindest ein Gefühl für das Gehen auf Steigeisen zu bekommen. Bei 31° im Schatten und inmitten der Spaziergänger war das nicht ganz so lustig für ihn aber dafür umso mehr für mich 😉 .

Die Leiter

Die Leiter

Und dann ging es auf die Reise nach Garmisch Partenkirchen. Nach der langen Autofahrt der Aufstieg, durch die wilde Höllentalklamm, zur neu gebauten Reintalangerhütte. Diese überraschte mich/uns mehr als positiv. Ein wirklich gelungenes bauliches Konzept und eine Hütte die Gemütlichkeit ausstrahlt und gastlich ist. Ebenso gastlich zeigt sich auch die Bewirtung und ich kann nur höchstes Lob für das Team aussprechen.

Das Brett

Das Brett

Der nächste Tag begann dann auch mit strahlend blauem Himmel und besten Aussichten auf eine tolle Tour. Zwar waren ausser uns auch etliche weitere Gipfelaspiranten auf der Hütte aber es war nicht überfüllt und im Verlauf des Tages gab es nirgends Staus oder längere Wartezeiten.

Leiter und Brett waren schnell überwunden und dann ging es nach einigen felsigen Passagen auf und über den grünen Buckel. Dort lag auch der Geocache, welchen wir schnell fanden. Die tote Gams, welche zum Himmel stineken sollte, von der in den letzten Cache Logs die Rede war, schien sich in Luft aufgelöst zu haben. Flugs geloggt und weiter gen Gletscher. Bei der Querung der Schottermoräne vor dem Gletscher machten sich etwas oberhalb laufende Gemsen einen Spaß daraus teils sehr große Steine auf dei Bergsteiger herab zu lassen und man musste schon ordentlich aufpassen. So hatte ich das bisher auch noch nicht erlebt.

Randkluft

Randkluft

Der Gletscher zeigte sich weitestgehend mit blankeis und nur im oberen Teil mit einer harschigen Sulzdecke (besser kann ich es nicht beschreiben) bedeckt. Kein Problem da wir sowohl Steigeisen als auch Seil mithatten. An den steileren Stellen sicherte ich Harry mittels fligender Sicherung (Eisschrauben mit TiBloc) was uns ebenso viel Lob wie Spott eintrug. Ja. Sicher(heit) übertrieben? Aber lieber so, als das mir mein Kletterpartner abhanden kommt. Allein in diesem Jahr hat es am Höllentalferner wieder einige (auch tödliche) Unfälle gegeben. Ein Kletterer, welcher keine Steigeisen bzw. Grödel dabei hatte, machte am Gletscherrand kehrt und stieg wieder ab. Für mich ein höchst respektable und richtige Entscheidung. Obwohl es unverständlich ist, dass er keine Steigeisen dabei hatte. Steht doch in so ziemlich jeder Tourenbeschreibung, dass diese vor allem im Spätsommer absolut notwendig bzw. empfehlenswert sind.

Die gefürchtete Randkluft zeigte sich uns gnädig und war absolut kein Problem da eine Schneebrücke nis an die Wand heran reichte und man direkt in die Seile einsteigen konnte.

Schöne Kletterei

Schöne Kletterei

Nach einigen kräftigen Zügen an den herabhängenden Drahtseilen waren wir schnell im eigentlichen Klettersteig zum Gipfel. Der erwies sich in der Tat als absoluter Plaisier Klettersteig. Fester Fels, tolle Passagen und Ausblicke und ausgezeichnet gewartete Sicherungen machten aus den letzten ca. 600 Höhenmetern ein Vergnügen welches lediglich dadurch getrübt wurde, dass es unheimlich heiss war und zumindest bei mir, wie üblich, der Schweiß in Strömen floss.

Am Gipfel waren wir überrascht, trotz des Kaiserwetters recht wenig Leute am Gipfelkreuz zu treffen. Das mitunter barbarische Gerangel und Geschubse um die besten Plätze und die Leiter war diesmal harmlos. Für Harry gab es noch eine tolle Gipfel Jause mit Rotwein, Käse, Wurzen und Brot. Kleine Überraschung von mir.

Gipfeljause

Gipfeljause

Nach einer gehörigen Rast auf dem Münchener Haus machten wir uns an den Abstieg zur Knorrhütte auf 2052 m. Der Abstieg zum Zugspitzplatt ist alles andere als ein Genusswanderweg. Und die ganze Gegend erinnert doch sehr stark an eine Mondlandschaft. Die 1000 Höhenmeter Abstieg zur Hütte bewältigten wir flott und voller Vorfreude auf das eine oder andere Weissbier und gutes Essen. Und diese sollte auch nicht enttäuscht werden.

Die Knorrhütte ist eine der immer weniger werdenden gemütlichen Hütten und hat auch eine sehr nette und gastfreundliche Bewirtung. Der Hüttenabend war lustig und unterhaltsam und so ging es am nächsten Tag mit bester Laune auf den Weg ins Reintal.

Vorbei an der Reintalangerhütte (nicht ohne ausgiebeige Rast) ging es entlang der Partnach bis zur Bockhütte wo wir auf den Bernadeinsteig abbogen. Dieser geht erst mal recht steil am Hang hinauf aber dann in sanften Schwüngen und schöner Wegführung durch Wald hinüber zum Kreuzeck. Wenig Leute, viel Landschaft und schönes Gehen sorgten für gute Laune und einen schönen Tag.

Das Kreuzeckhaus ist halt wie es ist… Eher Gastronomischer Großbetrieb als gemütliche AV Hütte. Aber diesmal war es doch etwas besser als im letzten Jahr und auch hier wurde die Tour nochmal gebührend ausgeläutet. Aber knapp 900 m Abstieg waren am Freitag noch nach Hammersbach zu schaffen. Das angekündigte shlechte Wetter verschonte uns jedoch so das wir trocken am Auto ankamen.

Alles in allem eine tolle Zeit mit schönen Erelbnissen und für Harry ein erfolgreicher Abschluß seiner kurzen Bergsteiger Karriere.

GPS Daten der Tour zum Download: Zugspitze über Höllentalsteig (0 Downloads)

Höhenprofil
Zugspitze über Höllentalsteig

Hardangervidda 2016 – jetzt mal von Süden – da wo alles begann.

Start in Haukeliseter

Mein 6. oder 7. Anlauf, für Traugott und mich als Duo bzw. Team, der dritte Anlauf für die Durchquerung der Hardangervidda mit Schneeschuhen.

Diesmal aber von Süden aus, mit Start von der Haukeliseter Fjellstue .

Da, wo alles (für mich) begann. Schon 1997 startete ich hier mit Rüdiger als Tourenpartner zur Süd-Nord-Durchquerung. Damals noch mit ca. 30 kg schweren Rucksäcken statt Pulka und ohne GPS, aber dafür mit meinem ersten Handy. Das sollte sich aber als äußerst nutzlos erweisen.

Und auch damals hatten wir massiv Probleme mit dem Wetter. Whiteout und Schneetreiben ließen uns am ersten Tag kaum mehr als drei Kilometer vorankommen und am zweiten Tag den Rückweg nach Haukeliseter suchen. Von Kinsarvik aus starteten wir dann erfolgreich eine Alternativroute und erreichten nach 1 1/2 Wochen Finse bei fürchterlichem Eisregen.

-30 draussen, -23 im Zelt..

Sooooo kalt wars!

Ganz so schlimm sollte es dieses Jahr nicht kommen. Aber auch diesmal war wieder fast alles an gutem und schlechtem Wetter vertreten, was die Vidda zu bieten hat. Temperaturen zwischen -7 und – 30 °C boten einiges an Abwechslung und Gelegenheit Schlafsäcke und Ausrüstung sowie uns zu testen.

Eigentlich war der Plan aber ein ganz anderer. Wir hatten vor, ins Tote Gebirge zu fahren, um dort eine lange Tour mit diversen Gipfelbesteigungen (Großer Priel ) zu unternehmen. Leider wurden aber die Verhältnisse in den Alpen immer schlechter und die Lawinengefahr ließ Gipfeltouren zum Himmelfahrtskommando werden. Da wir zwar verrückt, aber nicht lebensmüde sind, mussten wir eine Entscheidung treffen.

Die fiel denn auch am Aschermittwoch.

Totes Gebirge – Adé. Hardangervidda – Wir kommen!

Also wurden innerhalb von zwei Stunden alle Pläne umgerödelt, Flüge, Busfahrten, Bahntickets, Hotels, Hütte gebucht. Und so ging es Samstag früh auf die Reise.

Unsere Tour führte uns ca. 102 km von Haukeliseter nach Eidfjord (mal wieder).

Später mehr zu den Details. Und auch diesmal wird es wieder einige interessante Bilder geben.


Hier schon mal die GPS Daten zur Tour:

Höhenprofil
Hardangervidda 2016

Hardangervidda – Auf den Spuren von Roald Amundsen

Camp am Hogahae (1.408 m)

Camp am Hogahae (1.408 m)

Ein Artikel von Traugott Heinemann-Grüder – erschienen im „Berliner Bergsteiger“ Ausgabe 01/2015

„Wer von Schnee und eisiger Kälte gar nicht genug bekommen kann, findet auf der norwegischen Hochebene sein Paradies“

(Zitat aus 4-Seasons/Wintermagazin 2013).

Und ich füge hinzu, er oder sie wird belohnt mit wunderschönen Naturerlebnissen,

innerer Kontemplation und langem Nachhall.

 

Auf einer unserer vielen gemeinsamen Fels-, Eis- und Wandertouren in den West-

und Ostalpen setzen Piet Bruckmann und ich uns die Idee einer Winterdurchquerung der Hardangervidda in Norwegen in den Kopf.

Außer Schussfahrt verstehe ich nichts vom Skifahren. Also entscheiden wir uns für die Variante Schneeschuh.

Der Autor auf dem Nordmannslagensee

Der Autor auf dem Nordmannslagensee

Und einsam soll es werden; also muss die Tour vor der im März beginnenden Skisaison stattfinden. Sicher soll es sein; also kann die Tour frühestens ab Februar starten, weil dann die zu querenden Seen (und Flüsse) in der Regel zugefroren sind. Amundsen ist unser Vorbild – er hatte in der Hardangervidda für seine Polarexpeditionen trainiert, weil das Binnenlandwetter hier extrem ist – und deswegen soll natürlich auch im Zelt geschlafen werden.

Nun werden Flüge gebucht, Pulka umgebaut, Polarstiefel gekauft, die Tour nach viel Internetrecherche geplant. Unser Ziel ist eine Nord-Süd-Durchquerung der Hardangervidda

mit Schneeschuhen, Zelt und Pulka von Geilo (2013) bzw. Finse (2014) nach Haukeliseter.

Und dann geht die Reise Anfang Februar mit einer gehörigen Portion Aufregung endlich los.

Gegen den Wind unterhalb der Dyranutane (1.363 m)

Gegen den Wind unterhalb der Dyranutane (1.363 m)

Einführung in Sachen Wetter

In Finse holt uns der Vermieter der gebuchten Selbstversorgerhütte mit dem Skidoo ab. Der Skidoo mit Anhänger, in dem unsere großen und schweren Schlitten und auch noch Piet Platz finden müssen, frisst sich durch den tiefen Schnee den Hang hinauf und bleibt irgendwann stecken. Einzeln werden wir dann durch das dicke Schneegestöber zur komplett eingeschneiten Hütte gebracht, die schon von weitem im Scheinwerferkegel des Skidoos auszumachen war. Die erste Nacht beginnt also mit Kuschelfaktor.

Am nächsten Tag bekommen wir eine erste Einführung in Sachen Wetter. Null Sicht, Schneegestöber und Wind zum Glück von der Seite. Und es geht ordentlich bergauf. Mit

50 kg Gepäck auf dem Pulka bringen uns die 500 m Höhenanstieg auf die Hochebene der Hardangervidda aus der Puste.

Piet navigiert mit dem GPS- Gerät tapfer vorneweg. Nach fünf Stunden Laufen ohne Pause schlagen wir unser Zelt auf. Es wird eine stürmische Nacht. In mein Tagebuch schreibe ich: „Der Sturm lässt das Zelt rattern und verursacht einen Höllenlärm.“

Morgens ist der Zwischenraum des Zeltes bis oben mit Schnee gefüllt und beide haben wir am nächsten Tag das Gefühl, nicht geschlafen zu haben. Wir bekommen eine Ahnung davon, warum Amundsen hier für seine Polarexpeditionen trainiert hat.

Eiskalte Pause zwischen Dyranut und Trondsbu (grrrrrr)

Eiskalte Pause zwischen Dyranut und Trondsbu (grrrrrr)

Whiteout

Die Hardangervidda ist kein Gebirge, das sich so einfach entblößt. Wegen des ständigen

Nebels und des starken Windes, der den Schnee aufpeitscht, sehen wir wenig, und „wenig“ ist schon sehr übertrieben. Eigentlich sehen wir viele Tage gar nichts außer grauweiß. Schon nach wenigen Metern Abstand sieht man seinen eigenen Partner nicht mehr. Und permanent stolpern wir, weil der Wind den Schnee zu einer Wellenlandschaft geformt hat; doch die Wellen erkennen wir nicht, weil wir keine Konturen ausmachen können. Da bleibt viel Zeit, in sich zu gehen und darüber nachzudenken, warum wir das eigentlich machen. Die einen gehen im Urlaub ins Kloster, die anderen machen eine Fastenwoche und wir fahren ins Whiteout.

Und dann passiert, was passieren muss. Piet ist weg. Nicht zu sehen, nicht zu hören. Er ist einfach weg. Er hört mein Rufen nicht, nicht den schrillen Laut der Signalpfeife. Nichts.

Was tun? Ich ziehe spinnennetzähnliche Spuren um meinen momentanen Standort und frage mich, was passiert, wenn wir uns vor der Nacht nicht wiederfinden. Ich habe das Innenzelt mit dem Gestänge auf meinem Schlitten und hätte ein provisorisches Zelt. Piet hat auf seinem Pulka das Außenzelt, aber kein Gestänge, dafür aber beide GPS-

Geräte, weil das eine am Vormittag den Geist aufgegeben hatte.

Irgendwann stellt auch Piet fest, dass wir nicht mehr zusammen sind. Nach einer Stunde taucht er schemenhaft aus dem Nebel auf. Er hatte mit der Track-Back-Funktion zurück navigiert. Glück gehabt.

Wir vereinbaren, dass wir bei solchen Wettersituationen zukünftig immer dicht zusammen bleiben, und lernen, dass Karte, Kompass und Höhenmesser, die wir natürlich dabei haben, bei solchen Wetterbedingungen zu nichts nütze sind.

Wegmarke Helle Halsen

Wegmarke Helle Halsen

Espresso bei Sonnenuntergang

Am nächsten Morgen liegt die Hardangervidda lammfromm vor uns. Wir werden mit sagenhaften Landschaftseindrücken beglückt: Unendliche Weiten tun sich bei glasklarer Sicht und strahlendblauem Himmel mit einem 360°-Panorama um uns herum auf. Der Schnee knirscht unter den Schneeschuhen, kein Wunder, bei -28°C Nachttemperatur (im Zelt!) gefriert jeder Schnee zu festem Harsch. Ein Traum von Untergrund, da gleitet der Pulka nur so vor sich hin und wir kommen schnell voran. Mittags zieht ein heftiger Wind auf, der immer stärker wird, so dass wir uns regelrecht gegen ihn stemmen müssen, um überhaupt voran zu kommen. Und dann erleben wir ein nicht gekanntes Naturspektakel: Der ganze Berghang links von uns scheint auf uns zuzufließen. Grieselschnee windet sich in langen Fäden in atemberaubendem Tempo den Hang hinunter. Unser Zelt bauen wir dann im Windschatten eines großen Granitsteins auf und erleben als Krönung des Tages, nachdem sich der Wind dann gänzlich gelegt hat, einen fast schon kitschig-romantischen Sonnenuntergang.

Im Zelt zieht plötzlich Kaffeegeruch in meine Nase.

Nicht zu glauben, Piet hat eine Mini-Cafetera mitgenommen und kocht gerade einen Espresso für uns.

Tief in der Nacht schaue ich durch die Öffnung der Apsis in einen von keinem Kunstlicht beeinträchtigten, kuppelzeltähnlichen Sternenhimmel.

Und dann weiß ich, warum ich hier bin:

Um außerordentliche Naturereignisse wie am Nachmittag und mitten in der Nacht erleben zu können.

Crashtest-Dummy

Am nächsten Tag haben wir wieder null Sicht. Irgendwann queren wir einen Hang und plötzlich liegt Piet samt Pulka ca. 3 m tiefer. Die Steilstufe ist bei diesen Sichtverhältnissen einfach nicht zu erkennen, man erkennt keinerlei Konturen. Ich lasse meinen Schlitten

daraufhin ein paar Meter weiter weg runterrutschen, aber der Schlitten landet nicht auf der Höhe von Piet, sondern rutscht gleich über die nächste Steilstufe hinaus, rauscht in schönem Tempo ca. 500 m den Hang hinunter und bleibt irgendwo in einer Schneewehe stecken.

Was für ein blöder Fehler! So muss ich den gesamten Hang wieder runter, den wir gerade erklommen hatten, um zu meinem Pulka zu gelangen. Gegen 15.30 Uhr erreichen wir eine felsige Abbruchkante und es ist klar: Hier geht es nicht weiter. Rechts steile Felsen, die an die Dolomiten erinnern, links ein Felsriegel und vor uns eine steile Rinne, wie ein Gully, wo wir mit den Pulkas niemals runterkommen. Während Piet das Zelt aufbaut, gehe ich auf Erkundungstour nach einem Weg ins Tal, wo wir auf der anderen Seite wieder steil hoch müssen. Den Weg finde ich: In großem Bogen müssen wir um den einen Felsriegel herum, um dann an einer Engstelle in den Hang hineinqueren zu können.

Und hier zeigt sich, dass die Bezeichnung „Hochebene“ ziemlich irritierend und nicht wirklich zutreffend ist. Die Hardangervidda hat neben der Prägung durch mäßig hügelige Berge und lang gezogene Täler auch immer wieder Abschnitte mit Berghängen, die gern eine Neigung von 30° und mehr aufweisen und damit sogar tendenziell lawinengefährdet sind. Windstill, mit wenig Sicht und konturloser Landschaft, startet der nächste Tag. Piet stürmt los, fuchtelt in einiger Entfernung zwei, drei Mal mit den Tourenstöcken in der Luft, um nach dem Weg zu fragen, stürmt weiter und ist nicht mehr zu sehen. Ich folge seinen Spuren im Schnee und höre ihn irgendwann laut rufen: „Nicht weiter, nicht weiter!“ Piet ist durch eine Wechte durchgebrochen und mitsamt seinem Schlitten ca. 5 m tief gefallen. Zum Glück ist wieder nichts passiert. Piet bezeichnet sich daraufhin selbst als Crashtest-Dummy. Erstmalig nach fünf Tagen sehen wir an diesem Tag Leben in dieser weiten Einsamkeit. Eine Herde Rentiere mit ca. 35 Tieren zieht in ungefähr 250 m Entfernung fliehend den Hang hinauf.

Kjeldebu-Hütte

Kjeldebu-Hütte

Gemütliche Winterhütten

Am Nachmittag erreichen wir die Sandhaug-Winterhütte. Holz ist da und innerhalb von zwei Stunden schaffen wir es, die Raumtemperatur von 4° auf 12°C zu erhöhen. Endlich können wir unsere nassklammen Sachen trocknen. Angesichts des extremen Temperaturunterschieds zwischen Innenseite und Außenhülle des Schlafsacks kondensiert und gefriert der Dampf bereits an der Innenseite der Schlafsack-Außenhaut. Morgens packt man die Feuchtigkeit mit in den Packsack. Am nächsten Tag das gleiche Spiel. Und nach vier, fünf Tagen hat sich so viel Feuchtigkeit angesammelt, dass der Schlafsack total klumpig wird und nicht mehr wärmt.

Die Winterhütten in der Hardangervidda sind gut ausgestattet. Es gibt Gas und eine Kochstelle und riesige Töpfe zum Schmelzen des Schnees.
Es gibt Essensvorräte:
Knäckebrot, Honig, Marmelade, Wurst, Suppen, Gulasch, Nudeln, Kaffee, Tee, Zucker, Schokolade etc……

Noch zweimal steuern wir in den zwölf Tagen eine Winterhütte an: Kjeldebu ist sehr schlicht, dafür aber mit einem Vorratslager für ganze Kompanien ausgestattet; Hadlaskard ist vom allerfeinsten, sauber, gepflegt, da will man gar nicht wieder weg.

Ein bisschen stolz

Am vorletzten Tag laufen wir immer parallel zu einem Fluss talauswärts, den wir mehrmals queren müssen. Etwas unheimlich ist mir, weil die Eisdecke nicht an allen Stellen geschlossen ist. Piet ist heute nicht mehr zu bremsen und weit vor mir. An einer Stelle breche ich mit einer ganzen Schneeplatte ein und kann mich gerade noch nach vorne werfen. Mit dem Schlitten hinter mir und den Schneeschuhen noch an den Füßen robbe ich mühsam und unbeholfen an den Uferhang. Dort bemerke ich, dass auch Piet hier schon eingebrochen war. Noch eine letzte frostige Nacht verbringen wir bei sternenklarem Himmel im Zelt.

Dann erreichen wir nach knapp 120 km und um viele Erfahrungen und schöne Erlebnisse reicher unseren neuen Zielort Eidfjord.

Bis zu unserem ursprünglichen Ziel, Haukeliseter, sind wir nicht gekommen – das bleibt ein Projekt für eine nächste Tour.

Mit dem Bus fahren wir anderntags nach Oslo und legen einen touristischen Museumstag ein, um dem Polarexpeditionspionier Roald Amundsen unsere ehrfürchtige Referenz zu erweisen.

Und ein bisschen stolz sind wir auch, weil wir alles gut gemeistert haben.

Hier könnt ihr den Artikel als PDF downloaden:

Hardangervidda-–-Auf-den-Spuren-von-Roald-Amundsen.pdf (467 Downloads)

Vortrag: Mit der Transalp nach Transsylvanien (5. August 2014 – 20.00 Uhr)

Di., 05. August 2014 – 20.00 Uhr (Eintritt 3,00 Euro)

Motorradreisen im (noch) wilden Osten Europas. Polen – Slowakei – Rumänien – Ungarn

2013 ging Piet Bruckmann mit seiner Honda Transalp auf eine ca. 4.000 km lange Rundreise. Auf und abseits der Straßen konnte er interessante und beeindruckende Impressionen von Europas „wildem“ Osten erleben. Vor allem Rumänien hat bei ihm durch seine wild romantische Landschaft, die historischen Stätten und Sehenswürdigkeiten und seine liebenswerten Bewohner einen besonders tiefen Eindruck hinterlassen.

Multimedia Vortrag von Piet Bruckmann mit Bildern und Videos der Reise On- und Offroad. Anschließend Gesprächsrunde mit der Möglichkeit Informationen zu Motorradreisen, vor allem in Osteuropa, auszutauschen

Piet Bruckmann: 46 Jahre. Passionierter Motorradfahrer und -reisender. Hat solo viele kurze und lange Touren in Europa unternommen. Ihn zieht und zog es dabei vor allem in die ehemaligen Ostblockländer.  Mit seiner Honda Transalp Reiseenduro begibt er sich dabei auch gern mal abseits der Piste und in den Offroadbereich.

Weitere Info’s:

http://www.landkartenschropp.de/Veranstaltung-mit-der-Transalp-nach-Transsylvanien-Di-05-August-2014-2000-Uhr

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Camp9 – Nature Camp in Polen

Seit vergangenem Jahr sind meine Freunde Ineza und Günther hart am arbeiten um ihren Traum von einem urgemütlichen, kleinen Campingplatz mit „dem gewissen Etwas“ in die Tat umzusetzen.

Dieser Campingplatz entsteht auf einem idyllischen Waldgrundstück bei Tarnowskie Gory,in der Nähe von Katowice.

Und nun ist es endlich soweit.

Am ersten Maiwochenende wird die Eröffnung des „Camp9 – Nature Campground“ gefeiert.

Ich bin natürlich auch dabei. Ich würde mich sehr freuen, auch endlich mal einige Besucher dieser Webseite persönlich kennen zu lernen und dort zu treffen.

Der Campingplatz weist einige Besonderheiten auf. So wollen Ineza und Günther ein Konzept zur autarken Wasser Ver- und Entsorgung mit ökologischem Ansatz umsetzen und werden dabei von einigen Polnischen und Deutschen Firmen unterstützt.

Näheres dazu könnt ihr unter: http://www.camp9.x-active.com/ erfahren.

Hier allerdings doch schon mal einge Info’s:

  • Stellplätze für ca. 30 Zelte
  • Campingbus und/oder Allradfahrzeuge mit Campingaufbau möglich und erwünscht
  • sanitäre Anlagen ab April/Mai 2014 (Duschen und WC jeweils Frauen/Männer)
  • Lagerfeuerplatz für Alle
  • kostenlose Grill-Ausleihe
  • Fahrradausleihe (derzeit noch nur 2 Stück)
  • Routen / Tourenplaungs Tips durch uns
  • Shuttleservice vom Bahnhof oder Bus nach Vereinbarung
  • PKW Parking auf dem Gelände
  • 2 Restaurants in der Nähe (10 – 15 min.zu Fuß)
  • mehrere gute und gemütliche Restaurants mit sehr guter Küche in 3 km Entfernung (Stadtmitte) PKW / Bus max. 15 min.
  • 2 Läden in unmittelbarer Nähe (10 – 15 min.zu Fuß), Sonn- und Feiertags geöffnet
  • Internet / WiFi ab ca. April / Mai 2014
  • Strom 230 V
  • Hängematten Verleih / kostenlos
  • ab Mitte 2014 Aufenthaltsraum mit offenem Kamin und kleiner Tee-Küche

Folgende Sehenswürdigkeiten:

1) Silbermine in ca. 150 Metern Tiefe

2) Europas tiefstes Kohlebergwerk mit noch funktionierenden Maschinen (380 m tief)

3) unterirdische Stahlbootfahrt in ehemaliger Silbermine

4) Fahrrad Touren en Masse

5) Lagerfeuer mit lokalen Spezialitäten – soll heissen Wurst und Fleisch vom Feinsten

6) Lokales Bier ohne Ende

7) bei schlechtem Wetter Aquapark

8) jede Menge industrielle Museen – toll restauriert

9) und tausend andere Dinge….

Wir planen Geocaching Workshops (abhängig von Interesse bzw. Teilnehmerzahl) zu veranstalten. Bitte meldet euch per Mail bei Camp9 an, wenn ihr Interesse habt.

Besonders günstig könnt ihr mit Polskibus ( um die 40 Zloty) dorthin kommen (ich fahre diesmal auch mit Bus und nicht mit dem Motorrad). Auf Anfrage werdet ihr dann mit dem Mercedes G Type Shuttle zum Camp gebracht.

Wo findet ihr Camp9?

Adresse und Koordinaten von Camp9

Hardangervidda 2014 – Das Ende

Nach immerhin knapp 120 km und um einige schöne Erfahrungen reicher, erreichten wir nun den Zielort Eidfjord und sind nun, über Oslo, wieder in der Heimat gelandet.

Die Bilder der Tour könnt ihr euch hier ansehen.

Und den  Verlauf der Tour als Track.

Höhenprofil
Hardangervidda_2014

Hardangervidda 2013

Hardangervidda 2013

Höhenprofil
Schneeschuhtour_Hardangervidda_Februar_2013

Das 4-Seasons/Wintermagazin 2013 überschreibt einen Artikel über die Hardangervidda mit den Worten, dass die volle Ladung Winter gewiss nicht jedermanns Sache sei, dass manche es (aber offensichtlich) weiß mögen. Wer also von Schnee und Kälte gar nicht genug bekommen könne, fände auf der norwegischen Hochebene sein Paradies. Dem können wir uneingeschränkt zustimmen.

Traugott Heinemann-Grüder aus Potsdam und Piet Bruckmann aus Berlin hatten sich Mitte Februar 2013 auf den Weg gemacht, um die Hardangervidda von Geilo nach Haukeliseter mit Schneeschuhen, Zelt und Schlitten zu durchqueren.

Hier die Tagesberichte, aufgeschrieben bei ca. -20 Grad, im Zelt, manchmal war`s auch noch kälter.

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18.02.2013: Kocher um 07:18 Uhr, ich Cappucino aus der Tüte und Ovomaltine-Müsli, das einzige, das ich herunter bekomme. Piet frühstückt Kartoffelpürree. Zelt abgebaut und aufgeschnallt um 10:00 Uhr. Abmarsch von windigem Platz (Camp 4). Ich musste die Nacht nicht noch einmal raus, dafür gab´s vor dem Abmarsch einen feuchten Schiss in den Schnee. Zu sehen war wenig. Wenig ist schon sehr übertrieben. Eigentlich sah man den ganzen Tag gar nichts. Ca. 14:00 Uhr verlieren wir uns im Whiteout. Piet ist weg. Nicht zu sehen, nicht zu hören. Ich ziehe spinnennetzähnliche Spuren um den Platz, an dem ich bin. Irgendwann hat auch Piet festgestellt, dass wir nicht mehr zusammen sind. Nach einer halben Stunde taucht Piet schemenhaft aus dem Nebel auf. Glück gehabt. Ich hatte das Innenzelt mit dem Gestänge auf meinem Schlitten. Piet das Außenzelt ohne Gestänge, dafür aber beide GPS-Geräte, weil das eine am Vormittag den Geist aufgegeben hatte, d. h. es schaltete sich immer wieder von alleine ab. Offensichtlich lag es daran, weil das Gerät die Lithiumbatterien mit 1,2 Volt nicht erkannte, weil Batterien normalerweise mit 1,5 Volt laufen. Der Trick bestand dann darin, im Gerät den Akkubetrieb zu simmulieren, weil Akkus i. d. R. mit 1,2 Volt laufen. Tipp: Lithiumbatterien (nicht mit Lithium-Ionen-Batterien verwechseln) verwenden, auch für andere Geräte wie Stirnlampe, Kamera etc.; die sind weniger kälteempfindlich. Also mit Karte und Kompass und Höhenmesser ist hier bei solchen Wetterbedingungen nichts zu stemmen. Um ca. 16:00 Uhr richten wir Camp 5 ein. Und Piet schaufelt zwischen einem großen Stein und Zelt eine Scheißmulde für den Notfall, damit der Arsch wenigsten nicht ganz so kalt wird, wenn einer nachts doch noch mal raus muss. Die Schlafsäcke sind inzwischen total klamm und feucht. Durch Pumtechnik pumpen wir Luft in die Schlafsäcke. Kurzfristig gibt´s einen prima Loft, aber alles bleibt klamm und feucht. Dafür haben wir noch keine Lösung. (Aber später, nach der Tour). Piet bereitet Spicy Potatoes und ich Kartoffel mit Zwiebel und die obligatorische Brühe vorne weg. Mit der neuen Gascartouche komme ich voran. Piet ist mit dem Primus-Omni-Fuel ohnehin besser aufgestellt als ich mit meinem Ultra-Leichtgewicht-Gaskoche. Zur Feier des Tages spendiert Piet eine Schokolade mit Nüssen. Piet hustet immer noch und dampft beim Zelteintritt wie eine kleine Dampflokomotive. Sternenhimmel gibt´s auch heute nicht, auch keine Meteoriteneinschläge wie im Ural. 20:00 Uhr Nachtschicht.

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